Sankt Random House, eine bekannte Verlagsgruppe im Umkreis des Vatikans, mit missionarischen Außenposten auch in Deutschland (unter anderem die Diözese Verlagsgruppe Bertelsmann), breitet seine Engelsschwingen in diesen Tagen über die deutsche Buchhandelsgemeinde in allen Bistümern aus. In einer prachtvollen Fold-out-Anzeige im Börsenblatt prophezeit der Verlag dem Handel ein Buch, nein, einen aufwändig gestalteten Bildband mit exklusiven Fotos internationaler Starfotografen. Und wahrlich, es heißt 24 Stunden im Leben der katholischen Kirche.

Auf das glücklichste verbindet sich hier die Papstwahl mit dem verlegerisch interessanten Sachverhalt, dass es - wie Sankt Random House erklärt - auf fünf Kontinenten 1,086 Milliarden Gläubige gibt. Natürlich dürfen wir davon ausgehen, dass die Marketing-Abteilung nur die Katholiken gezählt hat. Der Herausgeber des Bandes, Hans-Günther Kaufmann, wird als Mode- und Werbefotograf vorgestellt, der auf dem Umweg einer Lebenskrise zum Glauben gefunden habe - nun erforscht er mit dem Medium der Fotografie und des Films die existenziellen Grundlagen christlicher Werte. So sehen wir in der Börsenblatt-Anzeige einen schwarzen Aids-Patienten auf Jamaika, der sich wohl beim Schnackseln (Äbtissin Gloria) an die kondomfeindlichen Spielregeln der Ecclesia Sancta gehalten hat und nun von einer weißen Person christlich zu Tode gepflegt wird. Ebenfalls zu sehen ist ein junges Mädchen auf einem riesigen Müllberg auf den Philippinen, das, so erfährt man, in seinem abgrundtiefen Leben von katholischen Sozialarbeitern betreut wird. Und in der Tat, jemand hat ihr einen gebrauchten bunten Regenschirm geschenkt. So schön kann das Leben mit Ratten sein.

24 Stunden im Leben der katholischen Kirche gibt es nicht umsonst, und insofern kostet der Fotoband immerhin 34,90 Euro. Dafür sehen wir Hunderte von bewegenden Aufnahmen, die die katholische Kirche als Global Player der Menschlichkeit vorstellen. Gibt es eine schönere Formel für die alte Gleichzeitigkeit von Geschäft und Glauben?

Es ist so weit: Wir sind Papst, und wir sind Käufer. Damit aber der heilige Kaufakt für jedermann sichtbar ein eschatologisches Zeichen setzt, kommt jeder Band einher mit vergoldetem Schmuckkreuz, gesegnet von Papst Benedikt XVI..

Bestürzt blättern wir weiter im Börsenblatt und finden die Anzeige eines Romans, von dem es heißt, er sei edel, sexy, teuer, tödlich. Ein Schelm, wer im sommerlichen Lesefieber glaubt, Anstand, Würde und Ernsthaftigkeit des christlichen Glaubens seien nicht längst schon in den Müllhalden aller möglichen Marketing-Strategien verborgen - unter dem gesegneten Schmuckkreuz aller Global Player des Buchgeschäfts.