Sie tragen Namen wie Hieroglyphen, aber dahinter verbirgt sich der schönste Treff für Liebhaber antiker, außereuropäischer und in diesem Jahr erstmals auch orientalischer Kunst. BAAF, BRUNEAF und BOAF versammeln rund hundert Spitzenaussteller vom 8. bis zum 12. Juni in Brüssel rund um den Place du Grand Sablon.

In der Nähe der großen Museen locken die feinsten Confiserien und Restaurants. In den umliegenden Gassen sind die Galerien und Antiquitätenhändler zu Hause. Einmal im Jahr überlassen sie Ausstellern und Kollegen aus aller Welt ihre Räume für ein lukullisches Expertentreffen fernab vom sterilen Messehallencharakter.

Was sowohl die Händler als auch die Besucher hier besonders schätzen, ist die entspannte Atmosphäre, sagt der Mitinitiator der Brussels Ancient Art Fair (BAAF), der niederländische Antikenhändler Vincent Geerling (Archea Ancient Art). Man schlendert von Galerie zu Galerie, schaut und plaudert, sitzt in der Sonne auf einer Terrasse, kauft und verkauft und genießt am Abend die belgische Küche.

In seiner Brüsseler Dependance auf Zeit in der Rue Watteeu 13 bietet Geerling unter anderem ein vollständiges vierteiliges Set ägyptischer Kanopendeckel aus Kalkstein an. Die stilisierten Häupter der Söhne des Gottes Horus dienten als Verschluss für die entnommenen und separat mumifizierten Organe Herz, Leber, Lunge und Nieren eines Herrschers. Das nur selten komplett erhaltene Ensemble kostet bei Archea 23 000 Euro.

Alle Händler auf der BAAF gehören der International Association of Dealers in Ancient Art (IADAA) mit strengen Standesregeln an. Das spricht für die Provenienz und Echtheit der einzelnen Stücke, die man in zwei ebenfalls teilnehmenden Fachlaboren und beim Art Loss Register vor Ort überprüfen lassen kann. Das besondere Fluidum der BAAF hat sich in den drei Jahren ihres Bestehens bis nach Übersee herumgesprochen. So sind in diesem Jahr auch die Royal Athena Galleries und die Safani Gallery aus New York und Walter M.

Banko aus dem kanadischen Montreal dabei, daneben große europäische Händler wie Rupert Wace aus London und Jean-David Cahn aus Basel.

Gordian Weber aus Köln hat es nicht weit nach Brüssel und freut sich auf anregende Gespräche mit den Kollegen, die beim Brüsseler Rencontre weniger unter Druck stehen als bei den großen Messen. Es mag ja nicht unbedingt die bedeutendste Veranstaltung ihrer Art sein, aber diejenige, die am meisten Spaß macht, sagt Weber. In seiner Vitrine an der Place du Grand Sablon Nummer 5 stellt er einen ein Meter hohen männlichen römischen Torso im Stil des Polyklet mit noch teilweise makellos erhaltener polierter Oberfläche aus (165 000 Euro netto).