Sie reisen quer durch Deutschland, tanzen in Köln, shoppen in München, und in Berlin bestaunen sie den Reichstag. Am Abend eint sie ihr Erkennungszeichen – der Rucksack – und die Suche nach einer billigen Unterkunft. Beliebt bei Rucksacktouristen, auch Backpacker genannt, sind Hostels, eine Mischung aus Jugendherberge und Billighotel. Auf Komfort wird in diesen Häusern bewusst verzichtet, um die Preise niedrig zu halten. Etwa 60 davon gibt es bislang in Deutschland. Rund 40 Hostel-Besitzer haben jetzt den Verein Backpacker Network Germany gegründet. "Um unser Angebot bekannter zu machen", sagt Sprecher Peter Weißbach (www.backpackernetwork.de). Denn anders als in Asien, Australien oder den USA, wo zahlreiche Hostels in den sechziger und siebziger Jahren von Weltenbummlern eröffnet wurden und heute zum touristischen Standard gehören – in Australien etwa haben Hostels den Jugendherbergen längst den Rang abgelaufen –, sind sie in Deutschland relativ neu.

Unter Hostels versteht man privat geführte Übernachtungshäuser, die anders als etwa die Unterkünfte des deutschen Jugendherbergswerks (DJH) keine staatlichen Zuschüsse bekommen und sich auch nicht "Jugendherberge" nennen können. Denn der Begriff ist beim Patent- und Markenamt in München eingetragen und darf nur vom DJH verwendet werden. "Wir werden mit Sicherheit nicht auf unsere Marke verzichten", sagt Bernd Dohn, Hauptgeschäftsführer des DJH, diese sei "überlebensnotwendig". Peter Weißbach vom Backpacker Network findet das "unmöglich", schließlich gebe es für den englischen Begriff hostel nur eine adäquate Übersetzung ins Deutsche: Jugendherberge.

Das Berliner Hostel A&O hat deshalb einen Antrag auf Löschung des Markenzeichens gestellt. Eine Umfrage soll jetzt klären, ob der Durchschnittsdeutsche mit dem Begriff "Jugendherberge" die Quartiere des DJH assoziiert oder eine allgemeine Bezeichnung für eine Übernachtungsstätte. Bernd Dohn gibt sich siegesgewiss: "99 Prozent der Deutschen verbinden den Begriff Jugendherberge mit uns." Bis zur Entscheidung haben einige Hostels eindeutig irreführende Bezeichnungen zurückgenommen, sie nennen sich jetzt beispielsweise "privat geführte Jugendherberge".

Hostels unterscheiden sich von Jugendherbergen durchaus. Geschlechtertrennung etwa gibt es anders als in den Häusern des DJH kaum, meist sind Frauen und Männer in einem Schlafsaal untergebracht, ein Bett in diesem so genannten dorm kostet beispielsweise im Berliner Odyssee nahe dem Ostbahnhof 13 Euro, das Doppelzimmer 45 Euro. "Unsere Gäste sind meist Einzelreisende, Gruppen sind eher selten", sagt Peter Weißbach, der nicht nur Sprecher des Hostel-Vereins ist, sondern auch das Odyssee betreibt. Ganz wichtig ist ihm: "Bei uns braucht man keine Mitgliedskarte." Auch ein Höchstalter kennt man nicht, und das Haus ist die ganze Nacht geöffnet. Einige Hostels haben eine Küche für Selbstversorger, Waschmaschinen bieten eigentlich alle. Das Herz der Häuser ist jedoch der Aufenthaltsraum, "da kommt man mit Menschen aus der ganzen Welt ins Gespräch", sagt Weißbach. Bislang finden sich Hostels vor allem in den großen Städten: In München kostet die Schlafsaalnacht im Euro Youth Hotel beim Hauptbahnhof knapp 15 Euro, im Hamburger instant sleep im Schanzenviertel werden für das Doppelzimmer 22 Euro verlangt. Billiger ist es in Weimar, 15 Euro bezahlt man im Hababusch für ein Einzelzimmer, in Dresden kann ab 13 Euro in Lolli’s Homestay geschlafen werden.

Schon der geringen Anzahl wegen sind die Hostels eigentlich noch keine Konkurrenz für die Jugendherbergen (www.jugendherberge.de), denn davon gibt es 554 in Deutschland. Nicht nur in den großen Städten – in München etwa kostet die Nacht im nach Geschlechtern getrennten Mehrbettzimmer 21 Euro –, auch auf dem Land bieten Jugendherbergen ein billiges Quartier. Fast zehn Millionen Übernachtungen verzeichneten die Häuser im vergangenen Jahr, nach wie vor sind Schulklassen die Stammklientel, "leider mit sinkender Tendenz", sagt Knut Dinter, der Sprecher des Hauptverbands. So versuchen die Häuser schon seit geraumer Zeit, neue Zielgruppen zu finden. Gelungen ist dies bei Familien mit kleinen Kindern, aber auch immer mehr erwachsene Einzelreisende werden Mitglied des Jugendherbergswerks, weshalb viele Häuser inzwischen Doppelzimmer anbieten.