Das Hotel Fakkelgaarden liegt hoch über der Flensburger Förde, auf der dänischen Seite, eingebettet in ein Buchenwäldchen. Der Blick reicht bis nach Glücksburg mit seinem Yachthafen und den Nobelhotels. In den dreißiger Jahren war es eine Jugendherberge, in den Siebzigern stand es leer und verfiel. Bis Christian Bind kam. Er hatte das Haus während seiner Zeit als Koch im Flensburger Restaurant Chez Paul entdeckt, wo er sich bereits einen Michelin-Stern erkocht hatte.

Das Backsteinhaus glich einem verfallenen Schuppen, und es brauchte Mut – und Fantasie –, um daraus etwas zu machen. Aber Bind packte die Abenteuerlust, er investierte mehrere Millionen Kronen und machte aus einer Ruine ein Spitzenhotel. Eines der schönsten Dänemarks, vielleicht sogar das schönste.

Die Pastellfarben der nordischen Fjordlandschaft wiederholen sich im Inneren des Hauses. Im Turm beispielsweise, der zu dem Gebäude gehört und das Wahrzeichen des Hotels ist, leuchten die Wände der beiden Restaurants so hell wie das Gelb der Sonne. Man sitzt hier im Halbrund wie in einer Arena und genießt den Blick über die Förde. Ein großzügiger Raum, in dem die Tische nicht, wie in vielen anderen Restaurants, dicht an dicht stehen, sondern Platz lassen, damit jeder Gast für sich bleiben kann, wenn er es will. Vor allem aber überzeugen die unglaubliche Ruhe und Gelassenheit, mit der jeder Gast umsorgt wird. Hektik, nein danke. Die Küche Christian Binds bietet von jedem etwas, angelehnt an die Tradition der Nouvelle Cuisine: gebackenes Schweinefleisch orientalisch zum Beispiel, gepökelte Sprotten mit Endivie oder Walnusskuchen mit Karamell.

Christian Bind hat sein Kochhandwerk bei den berühmten Brüdern Haeberlin gelernt. Er ist kein Chef mit Abstandswarner, sondern ein Mann, der hemdsärmelig durch sein Reich streift, immer ausgeglichen und entspannt, als wären nicht hohe Erwartungen zu erfüllen. Im Fakkelgaarden geht es familiärer zu als in den sonst so feinen Sterne-Häusern. Bind plaudert gern mit seinen Gästen, nicht nur im Restaurant, sondern auch an lauen Sommerabenden, wenn er in dem schönen Garten (oder soll man Park sagen?) hinter dem Grill steht und Langusten oder Steaks aufs Feuer legt. Dann erzählt er jedem, der es wissen will, von den Kräutern, die er im Garten selbst anbaut, redet über den Fisch, der tatsächlich aus der Förde kommt, oder über die Pilze, die im Wald gleich um die Ecke des Fakkelgaarden wachsen. Man sieht dann Gäste, die zufrieden aufs Wasser blicken, wo bunte Segler im Licht der untergehenden Sonne kreuzen. Diesen fantastischen Blick auf die Förde hat man selbst von den Zimmern aus. Sie sind, wie die Gesellschaftsräume auch, klar und schlicht eingerichtet – das Mobiliar ist nicht klassisch skandinavisch, also eher nüchtern, sondern modernes Rokoko – ein paar Schnörkel dürfen schon sein. Nicht alle Zimmer haben Balkon oder Terrasse, aber das macht nichts: Der gepflegte Garten ist für alle da.

Wer sich im Fakkelgaarden einquartiert, der ist weit weg von allem, was sonst in der Welt sein möge. Es ist, als ob man schwebe. Luxus, wo doch sonst alles so grausam erdgebunden ist. Von der Gartenterrasse führt ein Pfad zum Wasser, vor dem ein kleiner Strand liegt. Ein idealer Platz für Menschen, die unter dem grünen Dach dicht stehender Buchen ganz in Ruhe baden oder auch nur ausruhen wollen. Kein Strand für Feinsandfetischisten, aber das unbedingt richtige Terrain für alle, die das Echte suchen und aushalten können. Es kann passieren, dass kleinere Horden, mit Crossrädern bewaffnet, aus dem Uferdickicht geschossen kommen und über den Strand schieben. Man grüßt sich, niemand fühlt sich gestört, und weiter geht’s: So ist das in Dänemark, wo einer den anderen machen lässt. Das tut so gut wie der ganze Fakkelgaarden.

Hotel Fakkelgaarden, Fjordvejen 44, Kollund, DK-6340 Kruså, Tel. 0045/73678300, www.Fakkelgaarden.dk . Doppelzimmer von 220 Euro an, Drei-Gänge-Menü etwa 80 Euro