Telefon, oder: Garten, oder: Nadel, sagt eine Frauenstimme, wenn der Lautsprecher auf dem Bildschirm angeklickt wird. Und: Hören Sie die Wörter, und schreiben Sie diese in die Kästchen. Daneben blinken Bilder, ein Telefon oder ein Auto. Klingt simpel, ist aber für viele Menschen eine Riesenherausforderung. Wer nur Buchstaben kennt, wird womöglich die Vokale überhören und schreiben: Nadl oder Grtn. Klickt er dann auf Ergebnisse, erscheint ein trauriges Mondgesicht, aber die Voice-Mail ermutigt, weiterzulernen.

Die Übungen stammen aus dem weltweit ersten E-Learning-Portal, das vor einem halben Jahr für funktionale Analphabeten in Deutschland online geschaltet wurde: www.ich-will-schreiben-lernen.de . Funktionale Analphabeten definiert die Vorsitzende des Bundesverbands Alphabetisierung, Marion Döbert, als Menschen, die die Schriftsprache unzureichend beherrschen, sie vermeiden und so auch nicht in der Lage sind, sie im Alltag zu nutzen.

Lesen lernen auf eigene Faust

Das Apoll(Alfa-Portal Literacy Learning)-Internet-Projekt bietet diesen Menschen die Möglichkeit, sich auf eigene Faust ins Internet einzuklicken und Schreiben, Lesen und Rechnen zu lernen. Anonym und ohne schulischen Druck.

Denn wenn es einer der schwierigsten Schritte für funktionale Analphabeten ist, sich zu outen, dann ist es meist noch ein langer Weg, schlechte Schulerfahrungen hinter sich zu lassen. Der PC bietet die Möglichkeit, selbstbestimmt zu lernen. Der Schreibkurs in der Volkshochschule steht oft erst am Ende einer Strecke von leidvollen Erfahrungen.

15 000 Interessierte registriert das E-Learning-Portal inzwischen und 1200 Nutzer. Sie lernen in täglichen Übungseinheiten, deren Länge sie selbst festlegen: Konsonantendoppelung beim Ausfüllen eines Formulars vom Einwohnermeldeamt oder kurze Vokale beim Lesen eines Bankauszugs. Übungen aus dem Alltag. Tutoren halten Kontakt über E- und Voice-Mail, korrigieren und geben Rückmeldungen über den Lernfortschritt.