Man darf sich nur nicht abschrecken lassen durch das neulich nach einem Separatistenangriff ausgebrannte Tourist Visitor Center am Ortseingang von Srinagar, der Hauptstadt Kaschmirs. Ansonsten nämlich deuten alle Anzeichen auf Frieden in jenem 1948 zum Teil von Indien, zum Teil von Pakistan besetzten Gebiet am südlichen Himalayarand, das vielleicht bald schon seinem zeitlosen Ruf als Tal der Glückseligkeit wieder gerecht werden kann.

Schön ist es dort tatsächlich, und zwar derart, dass im 19. Jahrhundert ein bis auf den heutigen Tag gültiges Gesetz erlassen wurde, das es Ausländern verbietet, Land oder Liegenschaften zu erwerben - um den garantierten Ausverkauf zu verhindern. So hat sich Kaschmir, trotz verschiedener Invasoren, sein eigenes zauberhaftes Gesicht bewahren können, und allein die Briten, die Srinagar während ihrer Kolonialisierung des indischen Subkontinents zur Sommerresidenz machten, fanden einen Ausweg aus der Immo-Zwicklage, indem sie nämlich auf Hausboote verfielen und Quartier bezogen auf dem an Srinagar angrenzenden Dal-See. Das Gesetz verbietet es Ausländern nur, Eigentum auf kaschmirischem Boden zu besitzen, nicht aber auf dem Wasser.

So bleibt auch heute dem Kaufwilligen nur jene Option, die ohnehin die optimale ist, da es sich beim Dal-See um ein wahrhaft wundersames Binnengewässer handelt: lotusbewachsen, von lautlosen, gondelartigen Shikaras durchglitten, von Adlern überflogen, die nach Blüten suchen zwecks Verzierung ihrer Nester, von den himmlischen, in Terrassen angelegten Gärten der alten mogulischen Herrscher umsäumt, am Ufer die märchenhafte Hazratbal-Moschee, wo ein Haar des Propheten lagern soll.

Das Hausboot, das ich mir mit Hilfe von Gul Khan, einem Wohnraummakler, Hotelbetreiber und Pulloververkäufer ansehe, benötigt einiges an Renovierungsarbeit, das gibt Gul gern zu, nicht ohne zu erwähnen, dass Kaschmir geradezu der ideale Ort sei, extravagante Innenarchitekturträume in die formvollendete Tat umzusetzen: individuell angefertigte Möbel aus bestem Walnussholz, nach eigenen Vorlagen verziert, handgewebte Teppiche, nach Maß gestickte Überzüge für Sofas, Betten, Sessel: alles c heap price, alles kein Problem.

In Kaschmir haben wir eine exzellente, jahrhundertealte Handwerkertradition, sagt Gul, während wir durch das Skelett des rund 50 Quadratmeter großen Hausbootes klettern, doch aufgrund der Auseinandersetzungen zwischen der indischen Armee und den Separatisten gab es in den vergangenen Jahrzehnten kein Geschäft, nur Tote und viel Leid. Deshalb sind die Preise unten. Doch da die Gewalt seit der aktuellen Annäherung zwischen Pakistan und Indien zurückgeht, ist Kaschmir derzeit der optimale Ort für alle, die etwas wirklich Besonderes suchen. Gul hat das Hausboot vor wenigen Wochen gekauft, um es nun nach den Wünschen eines Käufers auszubauen.

Er schlägt vor, im Heck eine Küche mit Essplatz einzurichten, daneben das Schlafzimmer mit angrenzendem Badezimmer und nach vorne hin einen großen, offenen Wohnraum, der in eine Terrasse mündet, auf den See hinaus.

Wir haben aus den letzten Jahren viel gelernt, fügt er später hinzu, als wir über einen möglichen Kaufpreis reden. Wir erreichen Unabhängigkeit nicht durch Anschläge auf Indien, sondern durch Entspannung zwischen Indien und Pakistan. Dadurch wird die innerkaschmirische Trennungslinie durchlässiger.