Das hier ist jetzt mal ein politisches Manifest. Es handelt sich um einen Aufruf zur Befreiung aller Frauen über 40 vom gezielten Terror manipulativer, massenverdummender Lobhudelei. Frauen über 40 lassen es sich nicht mehr gefallen, permanent Opfer superlativischer Bewunderung zu sein. Sie lassen sich die Propaganda um das angebliche biologische Vitalitätswunder ihrer unerschöpflichen femininen Tatkraft nicht mehr gefallen. Dieses populistische Geschwätz von der multiplen Rollenvielfalt als Karrierefrau, Mutter, Großmutter (!), Discofeger, jugendlicher Liebhaberin (!!), Rhabarber, Rhabarber… Jeder Fuzzi, das halbe Feuilleton der Süddeutschen Zeitung macht dieses Geschrei mit. Frauen über 40, boah, toll!

Das ist doch alles Quatsch. Ab 30 baut man ab, geistig, körperlich, mental, hormonell und stilistisch. Männer und Frauen. Heute wie früher in der Steinzeit. So einfach ist das. Mehr gibt’s dazu nicht zu sagen. Man könnte höchstens mal überlegen, was der Zweck der Propaganda ist. Im Grunde reicht es, das Gesicht von Angela Merkel zu beobachten. Vor drei Wochen sah Angela Merkel so aus, dass man dachte, sie müsse auf der Stelle zur Kur, bestimmt nicht ins Kanzleramt. Dann wurde sie Kandidatin, dann fing die Lobhudelei an, und Angela Merkel blühte innerhalb einer Woche auf. Den Wahnsinn muss man sich kulturgeschichtlich mal überlegen. So weit ist es mit Frauen über 40 gekommen, dass sie nicht durch Liebe, Lust und Laster schöner werden, sondern proportional zur Vermehrung von Arbeit, Macht und Mühe. Wenn heute hier ein Bürgerkrieg ausbräche und morgen eine Spezialtruppe zur Beilegung desselben geschaffen würde, jede Wette, diese Truppe bestünde nur aus Frauen über 40. Das ist überhaupt nicht unlogisch. Und wenn schon, dann ist es eben unlogisch. Ab 30 lässt das Denken halt nach. Sollen doch diese P-Typen Logik reinbringen. Diese präpotenten 32-Jährigen, die rumlaufen und sich beschweren, dass sie immer nur Praktikumsplätze abkriegen und sich deshalb gleich "Generation P" nennen. Vielleicht fällt denen ein, ob es da irgendeine Art historischen Zusammenhang gibt zwischen der Trümmerfrauenidealisierung von anno dazumal und der Frauen-über-40-Lobhudelei von heute. Simpel gesagt. Sollen die doch die Arbeit von Ulla Schmidt übernehmen. Vier Jahre lang zwölf Stunden am Tag das deutsche Gesundheitssystem reformieren. Junge, das ist die Chance deines Lebens. Was auch immer du entscheidest, du kriegst Prügel dafür. Hernach hast du genügend Masochismus aufgebaut, um die Nachfolge der sich einzigartig selbstverheizenden Sabine Christiansen anzutreten. Okay, das war jetzt dumm, zynisch und fies. Na und? So sind Frauen über 40 nun mal, ohne Propaganda betrachtet. Frauen über 40 haben das Recht, sich komplettamente zu entspannen, geistig, körperlich, stilistisch und mental. Wenn bis 40 was aus ihnen geworden ist, heißt das, dass sie 20 Jahre geackert haben. Wenn nichts aus ihnen geworden ist, ist es sowieso zu spät. Frauen über 40 sollten auf der Couch sitzen, Beinchen hoch, Zigaretten rauchen, bis sie die Hand nicht mehr vor den Augen sehen, und in aller Ruhe das tun, was man in die Breite gehen nennt. Alles andere ist Quatsch. So einfach stellt sich die Sache dar für eine Frau über 40. Das wäre dann so ungefähr der Inhalt des Manifests. Ja, jetzt geht’s wieder los. Frauen über 40 schreiben die tollsten Schlusssätze: Kreativität! Erfahrung! Weibliches Gefühl für dramaturgische Lesefreundlichkeit, Rhabarber, Rhabarber… Jeder Fuzzi und das halbe Feuilleton der Süddeutschen Zeitung schreibt bessere Schlusssätze als eine Frau über 40. Alles andere ist ideologische Lüge. Finito.

Ach so, die unten angegebenen Bücher stammen mehr oder weniger von der Bestsellerliste und hängen natürlich irgendwie mit dem Thema von oben zusammen. Wie genau, können Ihnen die P-Typen erklären.Ursula März