Zum zweiten Mal binnen vier Wochen hat ein ausländischer Investor den Chef eines deutschen Konzerns gestürzt. Nach Werner Seifert von der Deutschen Börse war vergangenen Freitag Hans Fahr dran, der Chef des Maschinenbauers IWKA. Zermürbt von den Attacken des amerikanischen Firmenjägers Guy Wyser-Prattes, trat er bereits vor der Hauptversammlung ab.

Wyser-Pratte, mit 6,6 Prozent der Anteile größter IWKA-Aktionär, will das Unternehmen auf die Robotersparte "fokussieren". Damit meint er, dass sich IWKA fast vollständig von der Verpackungs- und Automobiltechnik trennen soll. Diese Sparten sind rentabel und bieten heute rund 7500 der insgesamt 11500 Arbeitsplätze im Unternehmen. Aber wenn es gut läuft im Robotergeschäft, ist es weitaus rentabler – wenn! Die alte Führung um Fahr hatte stets eine Mehrsäulenstrategie verfolgt, um das Risiko zu streuen.

Wyser-Pratte gilt als harter Investor. Seit 1992 investierte er in rund 60 Firmen, hierzulande etwa in Mannesmann, Mobilcom und Rheinmetall. Aufsehen erregte der Exsoldat, als er dem Management eines Unternehmens einmal drohte: "Wacht auf, und riecht das Napalm!" Wyser-Pratte übernimmt meist nur zwischen fünf und zehn Prozent eines Konzerns und mischt sich dann – anders als in deutschen Aktiengesellschaften üblich – direkt in dessen Geschäft ein.

Auch bei IWKA setzt er sich offenbar durch. Schließlich hat er auf der Hauptversammlung erreicht, dass Vorstand und Aufsichtsrat nicht entlastet wurden. "Daher ist es sehr wahrscheinlich, dass das Unternehmen seinen Kurs ändert", sagt Richard Schramm, Analyst bei HSBC Trinkaus & Burkhardt. Die von Wyser-Pratte geforderte Konzentration auf die Robotersparte sei allerdings riskant, weil deren Erfolg bislang stark vom Auf und Ab der Autobranche abhänge.

IWKA will sich nun erst mal die nötige Zeit nehmen, um aus der Führungskrise zu finden. Allerdings gibt Wyser-Pratte auch dafür den Zeitplan vor: Drei Monate habe der Aufsichtsrat, sich neu zu konstituieren. ( jue )