Worte wie Licht, Sommer, Zeit, Gedicht, Haus, Nacht oder Gelände sind magische Worte für Christoph Meckel, der sich der Poesie des Lebens offenbar stets näher fühlte als dem Dasein selbst, und der dementsprechend einmal wehmütig bekannte: Das Recht, nicht geboren zu werden, ist vertan - wie die Chance, in Bildern und Büchern zur Welt zu kommen. Als Spielfigur zu leben, im Heidelbeerwald, das hätte, nach meiner Meinung, gereicht.

Christoph Meckel, der 1935 in Berlin als Sohn des Schriftstellers Eberhard Meckel geboren wurde, seine Jugend in Freiburg zubrachte, Malerei und Grafik studierte, ehe er sich für ein Dasein ohne dauerhafte Anstellung und Adresse entschied, war von Beginn an eine exquisite Doppelbegabung: Zeichner und Dichter. Meckel, der seit 1956 sowohl als vielfach mit Preisen ausgezeichneter Lyriker wie auch als Prosaist arbeitet, wurde zunächst mit Gedichtbänden bekannt, ehe ihm nach Prosaarbeiten wie etwa Tullipan (1965) oder dem Roman Bockshorn (1973) schließlich 1978 mit seiner großen Erzählung Licht der Durchbruch als Erzähler gelang.

Doch der Zeichner Meckel hielt mit dem Dichter Schritt. Und so bildete - rückblickend betrachtet - bereits ein Zyklus von Radierungen wie Moél aus dem Jahr 1959 ein ebenbürtiges Pendant zu seiner von Anfang an reich mit Archetypen bevölkerten Prosa. Anhaltend im öffentlichen Bewusstsein aber blieb der Dichter vor allem durch sein berühmtes Vaterbuch Suchbild. Über meinen Vater (1980), Ein unbekannter Mensch (1997) und seine streitbare Annäherung an die Mutter, Suchbild: Meine Mutter (2002). Mehr als vierzig Einzelpublikationen stehen bis heute für sein über die Jahre und unbeirrt von Trends und Moden vorangetriebenes literarisches Schaffen - ein engagiertes, stets aber zugleich elegisches Schreiben, das einer Verzweiflung entspringt, die hell bleibt, wie Albert Camus es einmal mit Blick auf sein eigenes Werk formulierte.

Der kürzlich erschienene Erzählungsband Einer bleibt übrig, damit er berichte belegt dies einmal mehr bildhaft. Meckel sichtet darin Trümmerlandschaften unserer Zeit, Abraumhalden des modernen Lebens, denen er Kraft und Schönheit abzutrotzen vermag. So erweist sich, was als Anklage der Zumutungen der Gegenwart anhebt, als Hohelied auf den Einzelnen und seine Fähigkeit, zu überdauern. In diesem Sinn ist Christoph Meckel, der am 12. Juni 70 Jahre alt wird, bis heute ein versprengter Spieler geblieben - ein freundlich-distanzierter Solitär, der, seit inzwischen gut dreißig Jahren zwischen Freiburg im Breisgau und seinem zugigen Steinhaus in der Dr'me pendelnd, zwischen allen Stühlen hockt: unvermindert abenteuerlustig und notorisch einzelgängerisch.