Wie ist es um eine Gesellschaft bestellt, in der Mitarbeiter einer Behörde, die sich um ihre Kunden kümmern, weil in jeder Akte ein Schicksal steht, mit Abmahnungen rechnen müssen, weil es vielleicht die falschen Kunden sind oder das Gespräch länger als 30 Minuten dauert? Und die als Übriggebliebene von gestern tituliert werden, weil sie im Rahmen ihrer begrenzten Möglichkeiten zu helfen versuchen und den Kunden nicht das Gefühl vermitteln, dass sie eigentlich an ihrer Lage selbst schuld sind oder einfach inzwischen zu alt sind für eine Konkurrenz mit fünfundzwanzigjährigen frischen Hochschulabsolventen?

Ich habe als arbeitsloser Akademiker und später als Studienleiter einer Weiterbildungsgesellschaft für arbeitslose Akademiker diese Probleme von beiden Seiten kennen gelernt, und ich kann nur sagen, dass es immer die Müllers und nicht die Clements waren, die mir persönlich und später meinen Teilnehmern geholfen haben, aus der Arbeitslosigkeit herauszukommen.

Natürlich gab es auch damals schon die anderen, die mir rundheraus erklärten, die Akademiker hätten doch bereits auf Staatskosten studiert - warum sollte man sie eigentlich auf Staatskosten nochmals fördern?

Aber bis zu den Hartz-Reformen waren sie in der Minderheit und mit dem Hinweis auf die hohe Erfolgsquote der Weiterbildung ruhig zu stellen. Erst als 2003 mit den Hartz-Reformen die berufliche Weiterbildung praktisch eingestellt und durch kurzfristige Anpassungsmaßnahmen der jüngsten und am leichtesten zu vermittelnden Arbeitslosen an die jeweiligen Bedürfnisse der Wirtschaft ersetzt wurde, hatten die Clements endlich Oberwasser, und die Müllers mit ihrer Solidaritätsduselei und ihrem Samariterbewusstsein waren eben von gestern.

AXEL HOLST, BIENENBÜTTEL

Der Artikel stellt viele Fragen, ohne sie zu behandeln, unter anderem:

1. Wieso können Menschen so lange an Universitäten studieren, promovieren, habilitieren und so weiter und dabei so wenig außeruniversitäre Berufserfahrungen sammeln?