Die Forderung mehrerer SPD-Politiker nach einem Ende der Lohnzurückhaltung ist bei der Wirtschaft auf Widerstand gestoßen. Handelskammerpräsident Ludwig Georg Braun sagte der Chemnitzer Freien Presse (Montag), eine Abkehr von der moderaten Lohnpolitik wäre "verantwortungslos". Die jüngste Unternehmensumfrage habe gezeigt, dass 2005 in Deutschland aufgrund der anhaltend schwachen Konjunktur erneut weitere 200.000 Arbeitsplätze verloren gingen. "Wer in dieser Situation an der Lohnkostenschraube dreht, vernichtet weitere Jobs oder verdrängt sie ins Ausland", warnte er. Der Chef des Arbeitgeberverbands Gesamtmetall Martin Kannegießer hält die Vorschläge für "verstaubte Rezepte" und sagte der Berliner Zeitung (Montag): "Wer kräftigen Lohnerhöhungen das Wort redet, um damit die Binnenkonjunktur anzukurbeln, produziert eher höhere Arbeitslosigkeit." SPD-Chef Franz Müntefering, Finanzminister Hans Eichel und Wirtschaftsminister Wolfgang Clement hatten die Gewerkschaften ermuntert, wieder höhere Löhne zu fordern. In guten Zeiten müssten Arbeitnehmer auch an den Gewinnen der Unternehmen teilhaben. Dadurch soll die Kaufkraft in Deutschland gestärkt werden. Wolfgang Franz, Mitglied des Sachverständigenrates, kritisierte ebenfalls den Vorstoß aus der SPD. "Die Politik soll sich nicht in die Tarifpolitik einmischen", sagte Franz dem Handelsblatt (Montag). "Pauschale Forderungen nach Lohnerhöhungen sind falsch - das muss in jeder Branche geprüft werden." Bei einer Tagung der SPD zum Thema Wirtschaftspolitik will sich auch Bundeskanzler Gerhard Schröder zu dem Thema äußern. Weiterer Schwerpunkt ist die von Müntefering angestoßene Debatte über Auswüchse im weltweiten Kapitalismus. Schröder will verschärfte Kontrollen von bestimmten internationalen Finanzgesellschaften - so genannten Hedge-Fonds - ankündigen. Nach einem Bericht der Financial Times Deutschland (Montag) will er sich in seiner Rede zu einem starken Staat bekennen und die Union scharf attackieren. In Deutschland gebe es "Kräfte, die hinter der verschleiernden Bezeichnung der "neuen sozialen Marktwirtschaft" den bewussten Rückzug aus dem Sozialen betreiben", wolle Schröder laut Redemanuskript sagen. Wer wie CDU, CSU und FDP Arbeitnehmerrechte beschneiden, die Mitbestimmung einschränken und den Kündigungsschutz "schleifen" wolle, "der legt die Axt an die Wurzeln der sozialen Marktwirtschaft".