Sechsstellige Summen stellen für Wissenschaftler eine gewaltige Versuchung dar - da kann selbst jemand wie Karl Überla, ehemaliger Präsident des Bundesgesundheitsamtes, nicht widerstehen. Als Gegenleistung haben deutsche Gesundheitswissenschaftler jahrelang die Gefahren des Rauchens verharmlost, wie der Spiegel diese Woche berichtet. Zweifellos empörend, wie sich die Forscher von der amerikanischen Zigarettenindustrie haben kaufen lassen. Doch wirklich verwundern können solche Verhältnisse nicht.

Denn auch Wissenschaft ist korrumpierbar. Wie sehr, belegt eine aktuelle Studie in der Fachzeitschrift Nature: In einer anonymen Befragung von mehreren tausend Wissenschaftlern der National Institutes of Health in den USA gab rund ein Drittel ein Fehlverhalten in den vergangenen drei Jahren zu. Beispielsweise unterdrückten 6 Prozent der Biomediziner Daten, die ihrer eigenen Forschung widersprachen - und 15,5 Prozent hatten gar auf Druck ihrer Finanziers Aufbau, Methode oder Resultat einer Studie verändert.

Das zeigt, dass der Ruf der Wissenschaft nicht nur von einzelnen schwarzen Schafen bedroht ist. Jeder Forscher gerät - unter ökonomischem Druck - in Versuchung. Der Skandal beginnt schon bei der alltäglichen Retusche im Laborbuch.