Ich bin durch die tendenziöse, teilweise von Fehlinformationen geprägte Berichterstattung über das Klonen menschlicher Embryonen durch südkoreanische Forscher sehr irritiert. So schreiben die Autoren, deutschen Forschern würden, falls sie die koreanischen Klon-Experimente wiederholten, nach dem Stammzellgesetz von 2002 mehrjährige Haftstrafen drohen. Das Klonen von Menschen ist in Deutschland nach dem Embryonenschutzgesetz verboten, das 1990 beinahe einstimmig vom Bundestag verabschiedet wurde.

Dem liegt die ethische Entscheidung zugrunde, dass menschliches Leben, auch in seinen frühesten Stadien, nicht als verbrauchbares und vernutzbares Material behandelt werden darf. Dies kann nicht einfach durch den Hinweis auf vermeintliche Standortnachteile vom Tisch gewischt werden.

Das gilt umso mehr, als derartige Standortnachteile nicht einmal gegeben sind. Das therapeutische Klonen ist in fast jeder Hinsicht mit erheblichen Problemen behaftet. So würde der Einsatz geklonter menschlicher Embryonen als Zell- und Gewebequellen nach wie vor Unmengen weiblicher Eizellen erfordern.

Wo sollen die eigentlich herkommen? Hier bestehen ganz reale Gefahren der Kommerzialisierung. Nicht unwahrscheinlich, dass dabei am Ende Frauen aus der Dritten Welt zu den Eizell-Lieferantinnen der westlichen Hochleistungsmedizin würden.

Geklonte Stammzellen bergen des Weiteren so hohe Risiken für den potenziellen Empfänger, dass schon die klinische Erprobung am Menschen im Grunde gänzlich unverantwortlich wäre.

Adulte Stammzellen, deren medizinisches Potenzial von den Autoren in kaum nachvollziehbarer Weise abgetan wird, haben den großen Vorteil, all diese Probleme nicht aufzuweisen. Es war daher auch in medizinischer und ökonomischer Hinsicht die richtige Entscheidung des Gesetzgebers, auf die Forschung mit adulten Stammzellen zu setzen.

DR. WOLFGANG WODARG, BERLIN