Amerika hält sich mit einer Unterstützung für einen deutschen Sitz im Sicherheitsrat der Vereinten Nationen weiterhin zurück.  Es gebe keine abschließende Haltung der USA zu einem deutschen Sitz, sagte die amerikanische Außenministerin Condolezza Rice nach einem Treffen mit Bundesaußenminister Joschka Fischer. Sie sei zwar ebenfalls der Meinung, dass die Vereinten Nationen reformiert werden müssten. Aber die Reform des Sicherheitsrats sei  von nachrangiger Bedeutung. In erster Linie müsse die Mammutorganisation besser organisiert werden, um ihre Handlungsfähigkeit in Zukunft zu stärken.

Deutschland bewirbt sich zusammen mit Japan, Indien und Brasilien um einen ständigen Sitz in dem einflussreichen UN-Gremium. Dazu haben sich die Länder zu der so genannten Vierer-Gruppe zusammengeschlossen. Da ihr erster Entwurf unter anderem auf den entschiedenen Widerstand Chinas gestoßen war, hat das Quartett nun einen abgeschwächten Vorschlag für eine Erweiterung des Gremiums um sechs ständige und vier nicht-ständige Mitglieder in Umlauf gebracht. Demnach sollen die neuen ständigen Mitglieder auf ein Veto-Recht verzichten.

China lehnt die Initiative der vier jedoch weiterhin ab. Dieser Schritt sei "gefährlich", drohe die Vereinten Nationen zu spalten und die Diskussion um eine umfassende UN-Reform "zum Entgleisen" zu bringen, sagte der chinesische UN-Botschafter Wang Guangya am Donnerstagabend in New York. China steht mit seiner Abwehrhaltung nicht allein da. Neben Chinas Vorbehalten gegen einen ständigen Sitz Japans opponiert Italien vehement gegen einen deutschen Sitz. Viele muslimische Länder, allen voran Pakistan, wollen dagegen vor allem verhindern, dass Indien die ständige Mitgliedschaft erhält. Der Zusammenhalt in dem Vierer-Gremium bröckelt zusehends.

Rice betonte Fischer gegenüber, dass die USA keine speziellen Bedenken gegen den Vorschlag der Vierer-Gruppe hätten, aber die internationalen Befindlichkeiten berücksichtigen müsse. Gegenüber Japan kommen diese allerdings weniger zum Tragen. Rice stellte sich unmissverständlich hinter Japans Ambitionen. "Das einzige Land, für das wir eindeutig unsere Unterstützung bekannt gegeben haben, ist Japan", bekräftige Rice in Washington  und erklärte dies mit dem japanischen Engagement für die UN.

Das kann indes nicht der einzige amerikanische Beweggrund sein, da Deutschland ebenfalls kräftig in den UN-Topf einbezahlt. Der deutsche Botschafter in den USA, Wolfgang Ischinger betonte aber, dass die Haltung der USA nicht durch anti-deutsche Erwägungen bestimmt seien. Frau Rice habe das unmissverständlich zu verstehen gegeben.

Die New York Times berichtete derweil, dass andere Diplomaten sich sehr viel kritischer zum deutschen-amerikanischen Schulterschluss in der UN-Reformdebatte geäußert hätten. Die nicht namentlich genannten Diplomaten gaben zu verstehen, dass Amerika wegen Schröders Haltung zum Irak-Krieg nach wie vor verstimmt sei. "Die deutschen Anstrengungen würden in Washington nicht mit großem Enthusiasmus unterstützt", sagte ein altgedienter Diplomat in Washington und gab zu verstehen, dass dies eine diplomatische Untertreibung sei.