Er war ein Dichter, und wie etliche seiner Zunft brauchte er den Alkohol beim Schreiben. Wohl auch, um, wie er sagte, "den Schmerz abzutöten". Das hat er in einem Interview erzählt, in dem er sich freimütig zu Wein und Whisky bekannte, "aus Gründen der Tradition", denn alle anderen Drogen seien ihm suspekt: "Ich mag die Beschaffung bei Drogen nicht. Ich hasse den schäbigen sexuellen Beigeschmack, der mit dem Dealen verbunden ist. Deshalb mag ich Alkohol. Man kann in jeden Laden an der Ecke gehen oder in eine Bar, und er wird einem einfach hingestellt." Zu dieser Zeit war ihm die Kontrolle über seine Sucht längst entglitten, und dass er jahrelang zusätzlich illegale Drogen konsumierte, mag seinem Körper eines Tages den Rest gegeben haben. Und natürlich auch, dass er früh begonnen hatte mit der Selbstzerstörung auf Raten, schon als Teenager.

Damals lebte er vorübergehend bei den Großeltern, strenggläubigen Methodisten mit rigidem Weltbild. Der begabte und sensible Teenager wehrte sich trotzig gegen ihre Prinzipien, indem er provokativ leere Flaschen liegen ließ und in schlampigen Klamotten herumlief.

Nicht ungewöhnlich für einen Jungen in der Pubertät; nur trug seine Art der Rebellion von Anfang an extreme Züge, als kenne er weder innere noch äußere Grenzen. Biografen vermuteten später, er habe die vielen Ortswechsel in seiner Kindheit seelisch nie verkraftet und sei deshalb sein Leben lang heimatlos geblieben. Ein Ruheloser, der auf der Höhe seines Ruhms das Bad in der Menge suchte, um sich darin – im übertragenen wie im wörtlichen Sinn – aufgehoben zu fühlen.

Die Umzüge waren der Tribut, den seine Familie der Militärkarriere des Vaters zollen musste. Der älteste Sohn flüchtete vor Drill und äußeren Zwängen anscheinend früh in die Welt der Bücher. Wenn ihm die Mutter beispielsweise Geld für eine neue Hose mitgab, erstand er das Kleidungsstück secondhand und trug den Rest des Geldes in den nächsten Buchladen. Viele Werke der Weltliteratur waren ihm vertraut, vor allem die Existenzialisten soll er verschlungen haben. Ein Lehrer hat erzählt, dass kein anderer Schüler so belesen war wie er: "Aber alles, was er las, war so ausgefallen, dass ich vermutet habe, er hätte diese Buchtitel erfunden – was aber nicht der Fall war." Spätestens als 15-Jähriger trug er zudem immer ein Tagebuch bei sich, in das er eigene literarische Versuche notierte, Gedichte, Wortspiele und Gedankensplitter.

Dennoch sollte es noch dauern, bis sein erster eigener Gedichtband verlegt wurde. Der Soldatensohn, dem alles Militärische verhasst war, schloss sich zunächst als Student einer Theatergruppe an und erwarb erste Bühnenerfahrung. Er entdeckte sein Faible für die Philosophen, dann faszinierte ihn die Psychologie, schließlich das Kino. Aber anstatt an der Filmhochschule wie gewünscht kleine Übungsfilme zu drehen, beschäftigte er sich lieber theoretisch mit der Magie der großen Leinwand. Das Kino, so sinnierte er, sei gewiss eine Erfindung der Gaukler: "Die ersten Instrumentarien waren Feuer, Rauch, Gifte und Glas." Sein Abschlussfilm war eher eine lose Montage als ein durchdachtes Werk; die Professoren geben ihm nur die Note "ausreichend".

Mit dem Film hatte er danach erst Jahre später wieder zu tun, nicht hinter, sondern vor der Kamera. Da war er berühmt geworden, ein Enfant terrible seiner Epoche und daher für Regisseure so interessant, dass sie mit ihm drehen wollten. Viel Zeit, ihm noch lebend zu begegnen, blieb ihnen allerdings nicht: Er starb unter nie ganz geklärten Umständen in jener Stadt, deren Sprache er nicht beherrschte. Und in die er doch gereist war, um endlich zum Schriftsteller zu reifen.

Wer war’s?