Die italienische Großbank UniCredit will nach der Übernahme der HypoVereinsbank mehr als 9000 Arbeitsplätze in Deutschland und Osteuropa streichen. Etwa 1800 Stellen sollen bei der HVB in Deutschland zusätzlich wegfallen, kündigte UniCredit-Chef Alessandro Profumo am Montag in München an. "Das ist ein Abbau, der gut zu handhaben ist." Zusammen mit einem Anfang des Jahres verkündeten Sparprogramm entfallen damit bei der HVB etwa 4000 der 26 000 Arbeitsplätze im Inland. Dennoch soll das Deutschland-Geschäft laut HVB-Chef Dieter Rampl unter dem neuen Mehrheitseigner nicht zur Disposition stehen. "Deutschland spielt eine tragende Rolle in diesem Zusammenschluss." UniCredit will die HVB für gut 15 Milliarden Euro übernehmen. Profumo und Rampl versprechen sich von der größten grenzüberschreitenden Bankenfusion in der europäischen Geschichte Milliarden-Synergien. Diese sollen zu einem Großteil durch die Streichung von insgesamt mehr als 9000 der insgesamt rund 126 000 Stellen der neuen Bank erreicht werden, wobei der Großteil des Abbaus auf Osteuropa entfällt. Mit weiteren Kürzungen in Deutschland hatten Arbeitnehmervertreter nach dem Abbau tausender Stellen bei der HVB in den vergangenen Jahren nicht gerechnet. "Der Stellenabbau ist ein großes, großes Problem", sagte HVB-Aufsichtsrat Hanns-Peter Kreuser vom Deutschen Bankangestellten-Verband der dpa. Die Gewerkschaft ver.di bedauerte den zusätzlichen Arbeitsplatzabbau ebenfalls, betonte aber, es sei schriftlich garantiert worden, dass es bei Mobilität in den nächsten drei Jahren keine betriebsbedingten Kündigungen gebe.UniCredit gibt zudem eine Bestandsgarantie für das Deutschlandgeschäft über fünf Jahre. Allerdings kann der UniCredit-Aufsichtsrat diese Zusage mit einer Mehrheit von 19 der 24 Mitglieder kassieren. Profumo betonte aber: "Das Deutschlandgeschäft wird in fünf Jahren größer sein, als es jetzt ist."Die Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger SdK riet den Aktionären der HypoVereinsbank von der Annahme der Übernahmeofferte ab. Die Struktur und die Vorteile der Fusion seien noch nicht hinreichend dargelegt worden. Die HVB sei nach den zurückliegenden Portfoliobereinigungen auf dem Weg der Gesundung. "Nun sollen sich die Aktionäre von ihren HVB-Aktien trennen und dies auch nur im Tausch gegen Aktien einer Bank, die von einem deutschen Aktionär kaum beurteilt werden kann." Der HVB-Aufsichtsrat hatten den Aktionären am Sonntagabend nach langer, kontroverser Diskussion empfohlen, das Angebot anzunehmen.UniCredit will mit Hilfe der Übernahme langfristig Milliardengewinne einfahren. Bis 2007 wolle die Bank mehr als sechs Milliarden Euro verdienen, sagte Profumo. Im laufenden Jahr rechnet UniCredit aber zunächst mit Restrukturierungskosten von rund 1,35 Milliarden Euro. Die Übernahme soll im Oktober abgeschlossen werden.Im Rahmen der HypoVereinsbank/UniCredit-Fusion will die Wiener Übernahmekommission die Barofferte für die HVB-Tochter Bank Austria genau prüfen. "Nach dem derzeitigen Stand des Verfahrens kann die Rechtmäßigkeit der gestern bekannt gegebenen Höhe des Barangebotes an die Aktionäre der Bank Austria Creditanstalt AG nicht bestätigt werden", sagte Peter Doralt von der Übernahmekommission in Wien. Nach Angaben eines Sprechers heißt dies nicht, dass das Bar- Übernahmeangebot von 70,04 Euro je Bank-Austria-Aktie zu niedrig sei. Dies müsse erst noch genau untersucht werden. Allerdings sei nicht ausgeschlossen, dass die Offerte aufgestockt werden müsse.Am Bankenplatz Frankfurt wurde die Übernahme gelassen aufgenommen. Bundesbank-Vorstandsmitglied Hans-Helmut Kotz sagte: "Die Nationalität der Institute ist weder aus Sicht der Kunden noch aus Sicht der Unternehmen von Relevanz." Der Zusammenschluss von HVB und UniCredit sei eine unternehmerische Entscheidung. "Es gibt keinen Grund für Krokodilstränen." Die Bundesregierung wollte am Montag den bei der Übernahme geplanten Stellenabbau in Deutschland nicht kommentieren. Bei der Fusion handele es sich um "normales Marktgeschehen" und "unternehmerische Entscheidungen", sagte eine Sprecherin des Wirtschaftsministeriums.