Wofür gibt man Entwicklungshilfe am besten aus? Und wem nützt sie mehr: Empfängern oder Gebern? Diese Fragen sind der Kern des jüngsten Streits über einen Zuschuss von 100 Millionen Euro für den Bau einer U-Bahn in Ho-Chi-Minh-Stadt. Für den wirbt Siemens Transportation Systems bei den Abgeordneten des Haushaltsausschusses.

Dass das Verkehrsprojekt mit einem Gesamtvolumen von über 900 Millionen Dollar sinnvoll ist, bestreitet dabei niemand. Das von Smog, Staus und Unfällen geplagte ehemalige Saigon braucht ein öffentliches Transportsystem.

Das Bundesministerium für Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) aber hat die Projektbetreiber mit ihrem Wunsch schon abblitzen lassen.

Der U-Bahn-Bau weise eine zu geringe Armutsorientierung auf, heißt es in einem BMZ-Gutachten, und könne auch anders finanziert werden. Erhebliche Bedenken äußern auf Anfrage auch der grüne Entwicklungsexperte im Bundestag, Thilo Hoppe, und die entwicklungspolitische Sprecherin der SPD-Bundestagsfraktion, Karin Kortmann, angesichts der ins Auge gefassten Finanzspritze.

Kortmanns Parteikollegin im Haushaltsausschuss, Brigitte Schulte, hingegen ist für den Zuschuss. Prosperitätsentwicklung und Armutsbekämpfung, die Entwicklungspolitik muss beides machen, sagt sie. Wir würden das gern unterstützen, sagt auch FDP-Haushälter Jürgen Koppelin - nicht zuletzt wegen der Arbeitsplätze in Deutschland. Schließlich steht im Titel des Bundesministeriums auch >Wirtschaftliche Zusammenarbeit<.