Strahlend und entspannt ist die französische Journalistin Florence Aubenas am Sonntagabend nach mehr als fünfmonatiger Geiselhaft im Irak in ihre Heimat zurückgekehrt. Präsident Jacques Chirac und Angehörige empfingen die Reporterin der Zeitung "Libération" auf dem Pariser Militärflughafen Villacoublay. Aubenas umarmte Chirac und ihre Mutter, die sie lange bei der Hand hielt.
"Vielen Dank an alle, die sich für meine Befreiung eingesetzt haben", sagte die 44 Jahre alte Journalistin. Jetzt sei sie glücklich. "Es war hart", sagte Aubenas zu ihrer Geiselhaft. Sie sei in einem Keller mit verbundenen Augen und Fesseln an Händen und Füßen zusammengekauert gewesen. Sie danke der Presse für ihre Unterstützung. Die Reporterin und ihr Fahrer Hussein Hanun waren am Samstagnachmittag freigekommen, Der Nachrichtensender Al-Arabija hatte berichtet, die Geisel sei befeit worden.

Außenminister Philippe Douste-Blazy hatte Aubenas mit einem Flugzeug von Zypern abgeholt. Aubenas sprach in Villacoublay mit Chirac unter Ausschluss der Öffentlichkeit. Anschließend stellte sie sich kurz den Reportern. Auf die Frage, ob sie wie berichtet mit rumänischen Journalisten in einem Raum gefangen gewesen sei, sagte sie: "Nein." Weitere Informationen werde sie auf einer Pressekonferenz am Dienstag geben. Die Rumänen waren vor knapp drei Wochen freigekommen. Eine von ihnen, die TV-Reporterin Marie-Jeanne Ion, hatte erklärt, Aubenas in Geiselhaft kennengelernt zu haben.

Die Entführung der 44-jährigen Reporterin am 5. Januar hatte in Frankreich große Betroffenheit und eine Welle der Solidarität ausgelöst. Täglich erinnerten die Zeitungen an ihr Schicksal. Am Pariser Rathaus wurde ein großes Porträt von ihr aufgehängt und zahlreiche Solidaritätskundgebungen lösten einander ab. Der Generalsekretär der Journalistenorganisation Reporter ohne Grenzen, Robert Ménard, erklärte am Samstag, im Januar hätten Vermittler 15 Millionen Dollar Lösegeld für die beiden Geiseln gefordert. Er nahm die Aussage aber nach Intervention des Außenministeriums zurück.

Aubenas gilt als sehr gewissenhafte Journalistin mit langer Irak- Erfahrung und der Fähigkeit, "Leute zum Sprechen zu bringen". Die in Belgien geborene Tochter eines EU-Diplomaten und einer Filmkritikerin arbeitet seit 1986 für die linksliberale Pariser Zeitung "Libération". Sie berichtete aus vielen Konfliktgebieten von Ruanda über das Kosovo bis Afghanistan. Aubenas schrieb Bücher über Ruanda und den Irak sowie - mit dem Philosophen Miguel Benasayag - über die Globalisierungskritiker und die Informationsverarbeitung in den Medien. Zu ihrer letzten Irakreise war Aubenas am 16. Dezember in Bagdad eingetroffen.