Die französische Journalistin Florence Aubenas hat ihre fünfmonatige Geiselhaft im Irak in einem engen Kellerloch verbracht und ist von ihren Entführern geschlagen worden. Über ein Lösegeld sei aber nicht mit ihr gesprochen worden, sagte Aubenas am Dienstag in Paris drei Tage nach ihrer Freilassung.

Nachdem vier bewaffnete Männer sie am 5. Januar in Bagdad entführt hatten, "war ich in einem zwei mal vier Meter großen Kellerraum eingesperrt und konnte mich nicht aufrichten", berichtete Aubenas. Die erfahrene Kriegsberichterstatterin war 157 Tage in Geiselhaft. Sie berichtete auf einer Pressekonferenz ausführlich von ihrer Leidenszeit.

Der 44-Jährigen waren die Augen verbunden und die Hände gefesselt worden. Zu Essen bekam sie täglich einen Teller Reis und ein Brötchen am Morgen. Das Sprechen sei ihr verboten worden. "Ich habe den ganzen Tag gezählt: Minuten, Wörter, Schritte, Balken." Sie sei mehrfach geschlagen worden, weil sie angeblich mit anderen zu sprechen versucht oder sich in dem Kellerraum zu sehr bewegt habe.

Unterdessen hat der französische Premierminister Dominique de Villepin Rumänien und den Behörden des Landes für die Hilfe bei der Freilassung der Journalistin gedankt. Aubenas soll insgesamt sechs Wochen lang mit drei rumänischen Journalisten im selben Versteck gefangen gehalten worden sein; sie selbst bestätigte dies nicht. Sie sei vielmehr mit ihrem Führer und Übersetzer Hussein Hanun in einem Kellerraum zusammen gewesen, ohne dies zu wissen, sagte Aubenas.

Nach einem Bericht von Le Monde haben rumänische Geheimdienste die Entführer der drei Reporter und einen Mittelsmann zu einer anderen Gruppe identifizieren können, die auf "Geschäfte mit Geiseln spezialisiert ist". Die drei Rumänen waren am 28. März entführt worden und am 22. Mai wieder freigekommen.

Zu ihrer Freilassung habe sie "Ringe und eine Flasche Parfüm" von den Entführern geschenkt bekommen, sagte Aubenas. "Sie haben mir meine Handtasche mit all meinen Papieren und meinem Geld zurückgegeben", sagte die Reporterin ihrer Zeitung Libération . "Am Samstag, 11. Juni, öffnete sich die Kellertür und uns wurde befohlen, zur Toilette zu gehen. Als ich oben an der Treppe ankam, sagte der Wachmann, ‚heute Paris'".

Aubenas habe den traditionellen schwarzen Umhang irakischer Frauen und einen schwarzen Schleier anlegen müssen. Im Auto sei ihr unter ihrem Schleier zusätzlich eine Augenbinde angelegt worden. Dann habe das Auto gestoppt, sie sei herausgezerrt worden und ein französischer Geheimdienstbeamter habe ihr den Schleier heruntergerissen. Hanun sagte, die Entführer seien "sunnitische Islamisten" und "eher gemäßigt".