Central Park? Ein goldener Strom aus Toren mit Stoffbahnen? Hunderttausende Besucher, ein Riesenerfolg? "Ach, das ist doch längst vorbei", sagt Jeanne-Claude. Ganz so, als ob ihre Großinstallation im New Yorker Central Park nicht erst vor ein paar Monaten weltweit bejubelt wurde, sondern vor etlichen Jahrzehnten. "Wir reden nicht gern von Vergangenem, sondern viel, viel lieber über die Zukunft."

Heute werden Christo und Jeanne-Claude zusammen 140 Jahre alt. Wenn sie von der Zukunft reden, dann meinen sie den Arkansas River. Genauer gesagt einen Teil dieses Flusses mit dem Namen eines Indianerstamms, nach dem auch der Bundesstaat Arkansas im Süden der USA benannt wurde.

Eine 10,7 Kilometer lange Wegstrecke des Arkansas River soll - wen wundert es? - verhüllt werden. Entstehen sollen, wie die Künstler es beschreiben, "glänzende Wogen aus Gewebe drei bis sieben Meter über dem Flussbett". Dieser Gewebefluss über dem Fluss aus Wasser soll "durch Brücken, Felsen, Bäume und Büsche oder auch aus ästhetischen Gründen immer wieder unterbrochen werden und reichhaltige Lichtströme schaffen".

Die Frage nach der Botschaft wird diesmal vielleicht kaum noch jemand stellen. Sie ist im Angesicht des rauschenden goldenen Stoffmeeres im Central Park immer wieder aufgeworfen worden - und immer wieder haben Christo und Jeanne-Claude sinngemäß so geantwortet: Denkt euch gefälligst selbst euren Teil.

Arkansas ist der Bundesstaat, aus dem Bill Clinton kommt. Doch selbst der einstige Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika hat nicht viel zu sagen, wenn es um behördliche Genehmigungsverfahren in einem Bundesstaat geht. "Wir haben noch keine Vorstellung, wann es soweit ist", sagt Jeanne-Claude. "Aber Christo arbeitet schon lange an den Skizzen und Vorbereitungen."

Vielleicht wird das Ganze erst etwas, wenn die beiden Superstars der internationalen Open-Air-Kunst ihren 150. Geburtstag feiern. Sicher ist nur eins: Sie werden weiter zusammenhalten. Sie könnten jeden Unzertrennlichkeits-Wettbewerb gewinnen, seit sie sich 1958 in Paris kennen- und lieben lernten. Ein wenig mag am Anfang das Erstaunen eine Rolle gespielt haben, als Christo und Jeanne-Claude feststellten, dass sie am selben Tag des selben Jahres auf die Welt gekommen waren, am 13. Juni 1935.