Denkt man über die Entwicklungsgeschichte des Buchwesens nach, so kommen einem viele lebendige Bilder in den Kopf. In längst vergangenen Zeiten kritzelten fleißige Schreiberlinge mühselig knitterige Papyrusrollen voll, später hockten frierende Mönche nächtelang in kargen Klostergewölben und schrieben sich beim Kerzenschein die Finger wund. Nachdem Gutenberg mit der Erfindung seiner beweglichen Lettern die Informationswelt revolutionierte, wurden die unzähligen Geschichten, Märchen, Wahrheiten und Phantasiewelten immer mehr wissenshungrigen Menschen zugänglich. Doch die Entwicklung schreitet unaufhaltsam fort und auch Bücher unterliegen dem allgegenwärtigen Wandel.

Im Zuge der Computertechnologie verblasst das gedruckte Wort, der Bildschirm verdrängt längst das Papier und das grazile Schriftbild vieler Menschen weicht der Fähigkeit des flinken Tippens auf der Tastatur. In einer Zeit, in der alles elektronisch funktioniert und das Notebook zum besten Freund avanciert ist, liegt es nahe, dass man auch über dieses Medium seine Bücher liest. Sie fingieren unter dem Namen E-Books und viele halten sie für einen Segen der modernen Gesellschaft. In der Tat bleiben dem Leser etliche Unannehmlichkeiten erspart, mit denen sich unsere Väter noch herumärgern mussten. Wie sehr begann man doch plötzlich seine geliebten Bücher zu hassen, wenn sie beim Umzug die ganze Schwere ihres Inhaltes in Gewicht umwandelten! Und erst die unangenehme Eigenschaft der Bücher, Staub zu produzieren – oder mindestens in erstaunlichem Umfang zu akkumulieren. Auch löst sich das Platzproblem mit E-Books von selbst. Während man einst die Wohnung mit Regalen zustellen musste, um die Mengen gebundener Exemplare zu verstauen, kann man heute die weitläufigen weißen Wände mit netten Bildern schmücken und sich an der ungeahnten Größe seines Wohnraumes erfreuen.

Liebhaber von E-Books sparen nicht nur Platz und Arbeit, sondern auch Zeit und Geld – die begehrtesten Güter der modernen Gesellschaft. Früher verschwendete man Stunden in überfüllten Buchläden, erstand nach mühseliger Entscheidungsfindung halbherzig ein teures Buch, das man dann auch noch nach Hause schleppen musste  - und ärgerte sich bei der abendlichen Bettlektüre, dass beim Lesen dank des Gewichts permanent die Arme einschliefen. Heutzutage macht man es sich mit Gebäck und Keksen vor dem Computer bequem und besucht eine der vielen E-Book-Portale. Die lästige Sucherei nach der Verkäuferin sind bei dieser entspannten Art des Bücherkaufens ebenso unbekannt wie die Warteschlange an der Kasse. Hat man erst einmal die passende Lese-Software und die Zahlungsbestätigung für das gewünschte Exemplar abgeschickt, kann man direkt nach dem Herunterladen (was allerdings einige Stunden dauern kann), mit dem Schmökern beginnen.

Es gibt etliche Anbieter von virtuellen Büchern. Unter www.libri.de erhält der ungeübte Neukunde eine Anleitung zum Lesen: "In fünf Schritten zum eBook". Neben 1,4 Millionen Büchern kann man sich zudem CDs und DVDs direkt nach Hause liefern lassen. Ein weiterer großer E-Book-Händler ist pdassi wo kurze Rezensionen den Weg zum Wunschbuch erleichtern. Auch der bekannte Internetvertreiber amazon bietet seinen Kunden die günstige und schnelle Variante des E-Book-Kaufs. Manche Klassiker wie Dr. Jeckyll and Mister Hyde oder Moby Dick kann man im Original sogar kostenlos herunterladen. Viele stellen diesen Service zur Verfügung: Meist sind es bekannte und immer wieder gern gelesene Romane, für die man nicht bezahlen muss.

Jene Leser, die vor englischsprachigen Seiten nicht zurückschrecken, finden unter eBooks   eine imposante Auswahl an Unterrubriken, die eine gezielte Suche sehr erleichtern. Auch wenn die besagten Lettern Dimensionen angenommen haben, von denen Gutenberg nur träumen konnte, so ist auch die Homepage www.gutenberg.org eine empfehlenswerte Adresse, vor allem, wenn man ein vielseitiges Sprachangebot sucht: Von Esperanto bis Sanskrit – die Auswahl der ausländischen Publikationen ist lang.

Die Meinungen über die neue Errungenschaft der E-Books sind freilich gespalten. Während die besagten Annehmlichkeiten der Technik viele Aufatmen lassen und sie die neue Freiheit des schnellen Lesevergnügens genießen, blicken andere mit Verachtung auf die virtuellen Bücher herab. Es sind jene, für die Staubgeruch und Eselsohren den Charme des Buches ebenso ausmachen wie der fesselnde Inhalt und die vergilbte Widmung mit der nostalgischen Erinnerung an das Weihnachtsfest vor zwölf Jahren.

Ob man nun das Studierzimmer Spitzwegs einer CD vorzieht oder nicht – was alle verbindet ist sicherlich das Entscheidende, nämlich der Spaß am Lesen.