In Zeiten extremer innen- und außenpolitischer Turbulenzen baut die islamische Führungsschicht in Iran abermals auf Akbar Haschemi Rafsandschani. Der pragmatische Kleriker hatte nach Ablauf seiner achtjährigen Amtszeit als Präsident (1989-1997) kaum an Einfluss verloren. Er leitete den Schlichtungsrat, der bei legislativen Differenzen zwischen Parlament und dem Senat-ähnlichen Wächterrat vermittelte. Seine politischen Ambitionen konnte Rafsandschani in dem Gremium jedoch nie verwirklichen. Daher entschloss er sich, bei der Präsidentenwahl am 17. Juni anzutreten.

Der 70-Jährige verspricht den Wählern innenpolitische Reformen. Frauen sollen mehr Rechte bekommen, Jugendliche mehr Freiheiten und Existenzmöglichkeiten. Außenpolitisch will er im Disput um das Atomprogramm seines Landes mehr auf Diplomatie als auf Konfrontation setzen. Auch einen Dialog mit dem Erzfeind USA schließt er nicht aus, falls auch Washington vom Konfrontationskurs abrückt.

Rafsandschani werden politischer Scharfsinn und analytischer Weitblick, starkes Durchsetzungsvermögen und demagogische List zugeschrieben. Als Präsident versuchte er seit 1989, den islamischen Staat aus der Isolation herauszuführen und sein Land in Richtung Westen zu öffnen. Der Wiederaufbau der im Krieg gegen den Irak (1980-1988) zerstörten Gebiete im Westen und Südwesten des Landes wird Rafsandschani in seiner Heimat hoch angerechnet.

Der Mann mit den kleinen, stechenden Augen und dem spärlichen Bartwuchs gilt als äußerst machtbewusst. Der Geistliche mit dem religiösen Titel eines Hodschatolislam gehörte zu den Initiatoren der islamischen Revolution 1979 unter Ajatollah Ruhollah Khomeini. Diesen hatte er schon bei Islam-Studien kennen gelernt. Nach der Vertreibung des Schahs kam er mit Khomeini aus dem Exil nach Teheran zurück und gehörte zu den Mitgründern der Partei Islamische Republik.

Aber nicht nur politisch ist Rafsandschani ein Schwergewicht: Er gilt als reichster Iraner. Der am 25. August 1934 geborene Sohn einer durch Pistazienhandel wohlhabend gewordenen Familie aus der Stadt Rafsandschan brachte es mit Investitionen in freien Handelszonen selbst zu enormem Reichtum. Nach vorsichtigen Schätzungen beträgt sein Vermögen umgerechnet rund eine Milliarde Euro.