Einer der größten mutmaßlichen Kriegsverbrecher des Bosnienkrieges könnte gefunden sein. Die angesehene serbische Zeitung Danas berichtet am Freitag, der vom UN-Kriegsverbrechertribunal angeklagte frühere Militärkommandant der bosnischen Serben, Ratko Mladic, sei in Serbien aufgespürt worden. Bestätigt wurde der Bericht bislang jedoch nicht.

Der seit zehn Jahren untergetauchte mutmaßliche Kriegsverbrecher soll sich nach Informationen von Danas in einer Stadt im Inneren des Landes verstecken und in unmittelbarer Zukunft verhaftet werden. "Die Schlinge um den General zieht sich zusammen", titelte auch das serbische Nachrichtenmagazin NIN .

Damit erhalten die Gerüchte vom Vortag neue Nahrung, die serbische Regierung bereite die Verhaftung und Auslieferung von Mladic vor. Die Chefanklägerin des UN-Tribunals, Carla del Ponte, habe bei ihrem Besuch in Belgrad Anfang dieses Monats Informationen über den Aufenthaltsort von Mladic geliefert, berichten die heimischen Medien übereinstimmend.

Die serbische Regierung habe Del Ponte versprochen, den General vor dem zehnten Jahrestag des Massakers von Srebrenica auszuliefern. Die serbische Regierung hingegen hat alle Berichte über eine bevorstehende Verhaftung des früheren Militärkommandeurs der bosnischen Serben, Ratko Mladic, dementiert. Entsprechende Meldungen in den heimischen Medien seien "Sensationalismus" und stellten eine "Kampagne zur Täuschung der Öffentlichkeit" dar, ließ Regierungschef Vojislav Kostunica am Freitag in Belgrad mitteilen. Der serbische Innenminister Dragan Jocic wies die Angaben aus Den Haag als "absolut unzutreffend" zurück. Die Behörden hätten weder vom Tribunal noch von anderen Stellen im Ausland Hinweise erhalten, behauptete der für die Zusammenarbeit mit Den Haag zuständige Rasim Ljajic. Die Medienberichte fügten Serbien großen Schaden zu, weil "der Eindruck erweckt wird, dass wir wissen, wo Mladic steckt und es die ganze Zeit gewusst haben, ihn aber nicht ausliefern wollten".

Am 11. Juli 1995 hatten serbische Einheiten bis zu 8.000 muslimische Männer und Jungen unter den Augen niederländischer UN-Blauhelmsoldaten ermordet. Mladic soll für dieses schwerste Kriegsverbrechen seit 1945 in Europa verantwortlich sein.

In den vergangenen Tagen hatte ein Video über das Massaker in Srebrenica für Aufsehen gesorgt, das im serbischen Fernsehen gezeigt worden war. Die Mörder, Angehörige der serbischen paramilitärischen Einheit "Skorpione", filmten jede Sekunde des Verbrechens: Zivilisten werden aus einem Lkw geschubst, gezwungen über eine Wiese zu kriechen, ein Serbe tritt mit dem Stiefel einem Opfer gegen den Kopf, der Mann mit der Kamera flucht auf die fast leeren Batterien, ein weiterer lacht. Die Opfer warten geduldig auf die Hinrichtung, zwei der Letzten aus der Gruppe müssen die Leichen auf einen Haufen legen und werden dann auch erschossen.

Die Aufnahmen waren zuerst im Prozess gegen den damaligen serbischen Präsidenten Slobodan Milosevic vor dem UN- Tribunal in Den Haag gezeigt worden.