Florence Aubenas und Hussein Hanoun sind frei . Endlich. Die Korrespondentin der französischen Tageszeitung Libération und ihr irakischer Mitarbeiter waren 157 Tage lang gefangen. Eine Ewigkeit, die sie gefesselt in einem Keller verbringen mussten.

Trotz dieser Strapazen überwog auf dem Gesicht von Florence Aubenas die Freude, als sie in Paris einem Militärflugzeug entstieg. Und Hussein umarmte überschwänglich seine Angehörigen. Gleichzeitig aber erklärte er, dass er mit ausländischen Journalisten nicht mehr arbeiten werde.

Wir fühlen uns alle ein wenig freier, seit es keine entführten Journalisten im Irak mehr gibt. Wer das Böse dieser Taten einmal erdulden musste, der erlebt bei jeder weiteren Entführung, wie sich die Fesseln um seine Arme schließen. Dasselbe Gefühl der Enge erfasst aber auch alle jene, die sich für die Befreiung der Entführten eingesetzt haben.

Das Echo einer breiten Mobilisierung hat auch die Mauern des Gefängnisses von Florence Aubenas überwunden, so wie es jenen Raum erreicht hat, in dem ich einen Monat lang gefangen war. Eine Mischung aus Mobilisierung und Verhandlungen hat wieder zwei Menschenleben gerettet. Das zählt am meisten - auch wenn der Streit um die genauen Umstände der Befreiung Florence verfolgen wird, wie er andere ehemalige Geiseln verfolgt.

In Wahrheit ist das Recht auf freie Information zur Geisel geworden. Die Verweigerung dieses Rechts ist zusammen mit den Entführungen zu einer Waffe des Krieges geworden. Sie trifft ohne Unterschied alle. Der Krieg im Irak will keine Zeugen. Das gilt für die, die behaupten, im Namen des irakischen Volkes gegen die Besatzer zu kämpfen - und auch für die Besatzungsmächte.

Das irakische Volk hat keine Möglichkeit mehr, seine Stimme zu Gehör zu bringen. Wer sollte noch über das Schicksal der Iraker berichten, wenn Journalisten aus Angst, entführt zu werden, ihr Hotel nicht mehr verlassen können?

Aber nicht nur die Geiseln sind zu einer Waffe des Krieges geworden, sondern auch die Worte. Worte können zu einem Bumerang werden, der jene trifft, die sie in einer verfälschten Weise verwenden. Der "präventive Krieg" gegen den Irak war auf eine Lüge begründet. Man hatte behauptet, dass Saddam Massenvernichtungswaffen besitze. Aber es gab sie nicht. Die Stadt Falludscha ist zerstört worden - übrigens ohne Zeugen -, um die Basis des Al-Qaida-Terroristen Musab al-Sarqawi zu zerstören. Aber al-Sarqawi ist nicht verhaftet worden - und der Terrorismus hat sich im Irak weiter ausgebreitet.