Der Ausweg ist noch nicht gefunden. Zum zweiten Mal innerhalb weniger Tage versuchten Jacques Chirac und Gerhard Schröder gemeinsam nach Wegen, um die Krise der Europäischen Union nicht in ein Debakel ausufern zu lassen. Was Präsident und Kanzler am Freitag in Paris verkündeten, das blieb trotz betonter Entschlossenheit und bilateraler Betriebsamkeit für viele Beobachter allerdings noch zu stark im Allgemeinen.

"Europa muss in der Krise zusammenrücken", appellierte beschwörend Chirac an die EU-Partner. "Nichts wird besser in Europa, wenn wir die Vertiefung und Erweiterung nicht vorantreiben", sekundierte Schröder. Sechs Tage vor dem EU-Krisengipfel war das Treffen im Elysée-Palast ein neuerlicher demonstrativer Schulterschluss der Staatslenker, die - jeder auf seiner Weise - in der tiefsten politischen Krise stecken.

Chirac schilderte hymnisch und breit seine Freundschaft mit Schröder. "Ein Mann von Charakter, der Visionen und Reformen", so lobte Chirac den "Partner und Freund". Das kam von einem Mann, der in seinem Land kaum noch Rückhalt hat und dessen Abtreten von der Bühne der Politik bereits gefordert worden war. Der auch in Europa stark geschwächte Chirac lehnt sich so auffällig an Schröder an. Kein Wunder, dass man in Paris die "extreme Kühle" festhielt, mit der Berlin die vom französischen Regierungschef Dominique de Villepin geäußerten Idee einer deutsch-französischen Union verworfen hat.

Zu weit wollten der Kanzler und der Präsident ihren Gleichklang denn doch nicht vom Rest der EU abheben. Sie nahmen also die Luft aus den Mutmaßungen über eine solche "Union". Man solle nicht spekulieren, beschied Chirac. So wie der Präsident überspielte auch Schröder das Thema elegant. Die bestehende Zusammenarbeit sei doch schon eine Art Union. "Das ist, was wir tun, und was wir noch besser tun müssen."

In den aktuellen EU-Krisen-Themen blieben Schröder und Chirac bei ihren Standpunkten. Die Ratifizierung der EU-Verfassung, die in Frankreich und in den Niederlanden in Referenden abgeschmettert wurde, soll in den restlichen Ländern ungebremst weitergehen. Beim EU-Haushalt sollen sich alle bewegen - vor allen anderen die Briten, die aus Berliner und Pariser Sicht zumindest einen Einstieg in den Ausstieg aus ihrer Sonderrolle bei den Beiträgen akzeptieren müssen.

Chirac und Schröder, schon "der Blinde und der Lahme" genannt, suchen einen Weg der Krisenbewältigung über den luxemburgischen Premier und derzeitigen EU-Ratsvorsitzenden Jean-Claude Juncker. Beide sind derzeit nicht gerade in einer guten Vermittler-Position und dürften das selbst auch so sehen. Das gilt vor allem für Chirac, der den ganz besonders brennenden Wunsch hat, dass Europa sich erholt und Paris wieder gut dasteht. Waren es doch die Franzosen, die mit ihrem "Non" zu der EU-Verfassung das zerschlagen haben, was jetzt gekittet werden muss.