Provokante Slogans, die in Form von gigantischen Fotocollagen soziale und politische Themen aufgreifen, sind das Markenzeichen von Barbara Kruger. Bei Kunstfans in aller Welt sind Sentenzen wie "I shop therefore I am" oder "Your body is a battleground" seit langem zum festen Bestandteil des kollektiven Bewusstseins geworden. Mit ihrer formalen Prägnanz und der unverkennbaren Ästhetik gilt die Amerikanerin seit den 70er Jahren des vergangenen Jahrhunderts als eine der bedeutendsten Konzeptkünstlerinnen der internationalen Kunstszene. Bei der Biennale in Venedig erhält Kruger jetzt den Ehrenlöwen für ihr Lebenswerk - und dabei hat die 1945 im US-Bundesstaat New Jersey geborene Designerin auch in Zukunft noch viel vor.

So ließ sie sich am Canal Grande auch nicht nur ehren und preisen, sondern verzierte auch gleich die Fassade des italienischen Pavillons im Park der Giardini mit einer "Mauertätowierung": "Untitled (Facade)" heißt das riesige Werk. "You make history when you do business" (Du machst Geschichte wenn Du Geschäfte tätigst), lautet die Botschaft in gewohnt provokanter Manier.

Biennale-Kuratorin María de Corral, die mit ihrer Kollegin Rosa Martínez die diesjährige 51. Kunstschau am Canal Grande gestaltet hat, sagte in der Laudatio: "Barbara Kruger ist eine Konzeptkünstlerin, deren Arbeit Bilder und Texte vereint, die sich mit kulturellen Darstellungen der Macht, der Identität und der Sexualität befassen. Dabei fordert sie Stereotype und Klischees heraus."

Martínez lobte Krugers Spiel mit "linguistischen Strategien der Massenmedien, bei dem sie klare und wirksame Botschaften realisiert, die mitten ins Gewissen des Publikums treffen". Erst kürzlich hatte die Künstlerin für das Ludwig Forum Aachen die Ausstellungsreihe "Double Wall Projects" konzipiert, bei der sie die Möglichkeiten des Gehens oder Bleibens, der Bewegung oder der Bewegungslosigkeit miteinander konfrontiert. Als Technik verwendet sie die Montage, wobei sie Fotografien vergrößert und diese mittels aggressiver und künstlerischer Sätze in einen neuen Kontext setzt.

Kruger lebt und arbeitet heute in New York und Los Angeles. Zunächst hatte sie an der New Yorker Syracuse University und der Parsons School of Design studiert, bevor sie als Grafikdesignerin für Frauenzeitschriften tätig war. "Ich war damals von der Kunstwelt und dem ganzen Drumherum sehr eingeschüchtert. Aber das waren andere Zeiten, als Frauen noch kaum in der Kunstwelt tätig waren, es war schwierig", gestand sie einmal in einem Interview.

Die vielseitige Künstlerin arbeitete zudem als Kunstkritikerin, Kuratorin, Fotografin und Dozentin an mehreren amerikanischen Universitäten. Ihre Werke sind heute in den größten amerikanischen Museen zu bewundern, darunter im Museum of Modern Art in New York, im Guggenheim-Museum und im Museum of Contemporary Art in Los Angeles. An der Biennale in Venedig hatte sie bereits 1982 teilgenommen. Bei der Documenta in Kassel war sie 1982 und 1987 vertreten.