Mit einem Lied fängt alles an. Zu Beginn jeder Trainingseinheit müssen die sieben Gewalttäter singen, einzeln und in Gruppen. Erst Kinderlieder wie Ein Mops kam in die Küche oder Schneeflöckchen, weiß Röckchen. Später gefühlvolle Volkslieder: Die Gedanken sind frei, Der Mond ist aufgegangen. Die Gesangseinlagen sind für die jungen Männer der unerfreuliche Auftakt einer unerfreulichen Maßnahme, die sie über mehrere Wochen mit sich selbst und ihren Defiziten konfrontieren wird. Sie, die Musik als Rap oder Rock vom MP3-Player kennen, für die das Mitwippen in der Disko das höchste der musikalischen Gefühle ist, sollen jetzt "Kinderkram" vortragen und sich lächerlich machen. Verklemmt stehen sie da, und ihr Krächzen füllt die Luft. Dabei geht es nicht um Demütigung, sie sollen lernen, sich zu überwinden, einzeln aufzutreten und peinliche Lagen souverän zu meistern. Über sich selbst lachen können gehört zum Erwachsenwerden und auch das Zeigen von Gefühlen. Denn dass sie sich selbst nicht mit Humor nehmen können und jede sentimentale Regung in sich ersticken, ist Teil ihres Gewaltproblems.