Bei dem ganzen Wellness-Gerede und All-inclusive-Getue wird oft vergessen, warum der Gast eigentlich ein Hotel besucht. Der Gast besucht ein Hotel, weil er sein Bett nicht schultern und in den Flieger wuchten kann, um sich an dem Ort seiner Wahl abends genüsslich in die gewohnten Federn zu schmiegen. Besonders kostbar sind deshalb solche Hotels, die dem Schlaf des Gastes noch maximale Aufmerksamkeit widmen. Ein solches Hotel ist das Kempinski Giardino di Costanza im Westen von Sizilien. Da betritt man das Zimmer und entdeckt sogleich auf der Marmorplatte des hölzernen Nachttisches eine Karte, auf der wie weich gezeichnet ein Kopfkissen und die Worte "Pillow Service" zu sehen sind. Entscheidet man sich zum Beispiel für ein "Horsehair pillow", kann es einem passieren, dass man in der Nacht von einem Glanzrappen träumt, der am Strand entlanggaloppiert. Am anderen Morgen ist man dann ganz perplex und fragt sich, ob man von schnatternden Enten geträumt hätte, hätte man das Federkopfkissen gewählt, oder vom Orthophäden, hätte man den Kopf auf das "Anatomical pillow" gelegt – ein Exemplar, das sich wundersam den Kuhlen und Kanten des menschlichen Körpers anpasst.

Der eigentliche Grund für den perfekten Schlaf im Hotel Giardino di Costanza ist jedoch die Bettwäsche. Es gibt dort natürlich keine ollen Laken, deren abgenutzte Stellen von Hand ausgebessert worden sind, sondern Kissenbezüge aus fein gekämmter ägyptischer Baumwolle. Nur der Kenner weiß, dass es sich hier um die beste aller Baumwollen handelt. Sie streichelt den Körper, wie es die sensiblen Finger eines Geliebten tun, ist in sich fest und doch ganz zart.

Ausgesucht hat die Bettwäsche Daniela Sammartano Bagnasco, eine Innenarchitektin und Designerin aus Palermo, die auch bei der Gestaltung der 91 Zimmer und Suiten größtmöglichen Geschmack bewiesen hat. Einige von ihnen sind mit dunklem Parkett ausgelegt, sämtliche Möbel aus edlen Hölzern gefertigt, und wenn die Morgensonne ins Zimmer strahlt, leuchten die apricotfarbenen Wände wie die ausgespiene Glut des Ätnas. Andere Zimmer sind in erzbischöflichem Rubinrot gestrichen und haben einen Baldachin über dem Bett. Nicht minder stilvoll ist auch das Foyer. Elemente der Antike mischen sich mit denen der Moderne. Dorische Säulen, Amphoren und Skulpturen – Frauen, aus Stein gehauen, ein Kind in dem Arm tragend – stehen in einem weißen, angenehm kühlen wie klaren Ambiente. Auf dem Marmorboden liegen zwei große alte Teppiche aus Indien, und an den Wänden hängen Bilder der sizilianischen Malerin Bonaria dell’Oglio. Sie zeigen Szenen aus dem alten Griechenland.

Daniela Sammartano Bagnasco zeichnet auch für die Architektur des Gebäudes verantwortlich. Es ist ihr erstes Hotel, das sie entworfen hat. Von außen gleicht das vor wenigen Monaten eröffnete Haus mit seinem flachen Dach und der Dachterrasse einer arabisch-normannischen Villa. Es hat die Form eines U und liegt inmitten eines arabisch anmutenden Parks mit Springbrunnen und Pavillons, bis zum Strand fährt man sechs Kilometer.

Eine ideale Umgebung für einen entspannten Urlaub. Wären da nicht die kleinen Anstrengungen, die einem durch die nicht ganz durchdachte Architektur abverlangt werden. Wer sein Zimmer etwa am Ende eines der beiden Gebäudeflügel hat und zum Außenpool will, muss den ganzen Flügel zurück zum Haupttrakt laufen, das Foyer durchqueren und draußen entlang des Flügels wieder zurücklaufen. Am Außenpool darf man dann nicht feststellen, dass man besser noch mal das stille Örtchen aufgesucht hätte, denn das gibt es dort nicht. Und wer abends um acht im Bademantel zum Innenpool und zum Daniela Steiner Spa möchte, dessen Gänge wie römische Katakomben verästelt sind und von baumdicken Bodenkerzen beleuchtet werden, kommt, wie in vielen anderen Hotels auch, in eine unangenehme Situation: Man teilt den Weg mit Gästen, die bereits in halbwegs schicker Abendgarderobe zum Restaurant schreiten.

Ach, und wenn man schon mäkelt, dann muss auch noch das gesagt werden: Zwar ist die sizilianische Küche mit Fisch- und Fleischgerichten nicht minder hervorragend wie der Wein, doch der Sommelier des Hotels scheint seine Gedanken woanders zu haben – er vergisst die entscheidende Frage, für welches Gericht man sich denn entschieden habe, um dann den passenden Tropfen zu empfehlen. Doch das ist spätestens vergessen, wenn man abends das Licht in seinem Zimmer ausknipst, die Bettwäsche aus ägyptischer Baumwolle sich wie einen Kokon um einen legt und man sanft in den Schlaf gleitet.