Zur Begrüßung in der University of Hyderabad im Bundesstaat Andhra Pradesh präsentiert Anantha Padmanabhan ein Foto aus Deutschland. Darauf ist er in Calw neben dem Denkmal Hermann Hesses, des Autors von Siddhartha, zu sehen. Ein Inder im Schwarzwald, das weckt die alte Assoziation an einen Entwicklungshilfe-Stipendiaten. Doch der Metallingenieur ist Forschungspreisträger der Alexander von Humboldt-Stiftung, war Dekan und Rektor indischer Hochschulen in Kanpur und Chennai und leitet heute in Hyderabad ein Zentrum für Nanotechnologie.

Auf dem Campus, der sich in bizarrer Steinwüstenlandschaft unter pink- und orangefarbenen Bougainvilleen ausdehnt, sollen Grundlagen und Anwendungen der Nanotechnik erforscht werden, erzählt der 60-Jährige. Er selbst untersucht Keramiken und Metalle sowie Entwicklungsmöglichkeiten, die in der Schrumpfung von Stoffpartikeln auf winzigste Größen stecken. Padmanabhan ist ein Kaliber der indischen Wissenschaft – eines von vielen in der "kommenden Supermacht des Wissens", wie das Magazin New Scientist prophezeit.

Dass in Indien, wo fast zwei Drittel der Bevölkerung von der Landwirtschaft leben, erstklassige Kaderschmieden für Computer- und IT-Experten gewachsen sind, hat sich weltweit herumgesprochen. Doch längst arbeiten in Delhi, Mumbai oder Bangalore auch ehrgeizige Institute für Agrar-, Satelliten-, Bio-Tech- und Pharmaforschung. Ihr Niveau beeindruckt – verspätet im Vergleich mit anderen Industrieländern – auch die Deutschen. So fühlte sich nach Rundreisen im vergangenen Jahr nicht nur die Bundesforschungsministerin, sondern auch die Deutsche Forschungsgemeinschaft und die Max-Planck-Gesellschaft zu neuen Kooperationen inspiriert.

Seit einiger Zeit drängt auch Hyderabad, die fünftgrößte Stadt Indiens, in den Club der Innovations-Metropolen. Die Hauptstadt des Bundesstaates Andra Pradesh zeigt beispielhaft, wie die High-Tech-Förderung Indiens soziale Widersprüche überwinden – aber auch zuspitzen kann. Um die weit außerhalb des wuselnden Zentrums liegende University of Hyderabad zu erreichen, passiert man zunächst die neu erschlossenen Jubilee Hills. In diesen stacheldrahtbewehrten Siedlungen wird die Multikulturalität der Stadt sichtbar, die lange von islamischen Sultanen beherrscht wurde. Minarettartige Türmchen stehen neben Gebäuden mit neoklassizistischen Säulen und hinduistischen Ornamenten. Dann taucht wie eine Fata Morgana eine nicht enden wollende Moderne aus mächtig aufragenden Bürokathedralen auf; asiatische, europäische, amerikanische IT- und Bio-Tech-Konzerne und Start-ups in Gebäuden namens High Tech City oder Cyber Tower. Kräne, wohin man schaut, Plakate werben: "Expandieren, eröffnen, diversifizieren Sie!" Nur die zerlumpten Zelte aus staubig-grauen Plastikplanen, die landflüchtige Arbeiter am Straßenrand aufgeschlagen haben, stören das Bild vom dynamischen "Cyberabad".

Der Regisseur der Innovations-Inszenierung heißt Sri Nara Chandrababu Naidu, bis 2004 Ministerpräsident von Andra Pradesh. Er rollte den Firmen und ihren Forschungsabteilungen einen roten Teppich aus Steuervergünstigungen und Infrastrukturhilfen aus. Mit billigem Land warb er sie aus dem boomenden Bangalore ab, unterstützt von Bill Gates, McKinsey und der Weltbank. Ein "Pull-Faktor" war auch die bestehende Forschungslandschaft. Denn in Hyderabad gibt es zahlreiche staatliche akademische Einrichtungen und damit das Potenzial, Wissenschaft und Industrie zu verkuppeln; "die Wohlstandsgöttin Lakshmi mit der Göttin der Weisheit Saraswathi zu vereinen", wie indische Journalisten gern formulieren. Die ehrwürdige Osmania-Universität, das Indian Institute of Chemical Technology, das Forschungslabor für Ernährungswissenschaft oder das Center for DNA-Fingerprinting and Diagnostics sind nur einige von vielen Instituten in Hyderabad.

Der Stolz nährt sich aus der Geschichte: "Wir haben die Null erfunden"

"Wir arbeiten hier an einer Fünf-Sterne-Universität", schwärmt Anantha Padmanabhan. So sieht es auch die zentralstaatliche Regulierungsbehörde University Grants Commission (UCG) in Delhi, die Hochschulen akkreditiert, bewertet und bezuschusst. Im Jahresbericht der University of Hyderabad finden sich endlose Listen der Forschungsprojekte und Publikationen.