Eigentlich hätte in dieser ZEIT-Ausgabe eine Kritik von Steven Spielbergs Science-Fiction-Film Krieg der Welten stehen können.Womöglich wäre die Kritik auch nächste Woche erschienen, wenn der Film ins Kino kommt.Neu ist, dass die Entscheidung über den Veröffentlichungstermin nicht mehr in der Hand der Redaktion liegt, sondern vom Verleih - in diesem Fall UIP - bestimmt wird.Neu ist auch, dass alle Journalisten, die eine Vorführung von Spielbergs Film besuchten, ein termingebundenes Embargo (29.Juni) unterzeichnen mussten.Der mit Sanktionen und Wirtschaftskriegen konnotierte Begriff passt zu den generalstabsmäßig geplanten Marketingfeldzügen, in denen sich die Kontrolle der Berichterstattung und der Kampf gegen die Raubkopierer seit kurzem zu einer Art Gesamtparanoia verbinden.Bei der Premiere von Krieg der Welten wurden die Zuschauer erstmals per Video gefilmt, während der Pressevorführung setzte man Nachtsichtgeräte ein, und bei den Leibesvisitationen vor dem Kino sprangen d en Security-Leuten schon mal die Minen der auseinander geschraubten Kugelschreiber ins Auge.Offenbar sind Notizen während der Vorführung ohnehin nicht mehr erwünscht, denn das Embargo gilt ausdrücklich für die rezensierende Berichterstattung. Selbstverständlich wurden die Fernsehsender vor der großen Tom-Cruise-Premiere in Berlin mit Ausschnitten bestückt, setzte man auf den Medienrummel rund um die Pressekonferenz, auf Porträts, Klatsch- und Tratsch-Geschichten.Kommende Woche, wenn es dem Verleih genehm ist, dürfen dann auch die Kritiker, abgefilmt, embedded und vertraglich eingebunden, ihr Federchen zücken.