Aufgewachsen in einem Europa, dass mehr und mehr zusammenwuchs, seine Grenzen öffnete und eine gemeinsame Währung einführte, fühle ich mich als Europäerin. Aufgewachsen auch in einer Zeit, in der das Reisen so einfach wie noch nie wurde, haben wir wohl am häufigsten die Nachbarstaaten bereist und dabei dankbar die Vorteile in Kauf genommen, die uns die Europäische Union brachte.

Ich gehöre auch einer Generation an, die mit dem herkömmlichen Nationalverständnis immer weniger anfangen kann und sich trotzdem (oder deshalb?) in Europa zu Hause fühlt und die Union dank ihrer Vielfalt als eine Art Patchworkfamilie versteht.

Die Ergebnisse der Referenden in Frankreich und den Niederlanden sind kein Nein zu Europa. Das non und das nee sind die Antwort auf ein Europa, das seine Bürger immer mehr vergisst und zur grauen Institution zu werden droht. Vielleicht sollten wir die Ergebnisse als eine Chance sehen, den bisherigen Weg zu überdenken, die Krise zu überstehen und gewachsen daraus hervorzugehen. Europa kann mehr zugetraut werden, denn wir sind Europa.

SUSANNE THIEL, 23 JAHRE, STUDENTIN HALLE/SAALE

Auf die messerscharfen Analysen von Altbundeskanzler Helmut Schmidt darf man immer gespannt sein. Diesmal diagnostiziert er das dramatische Absinken der Geburtenraten als die wichtigste der europäischen Krankheitsursachen. Doch beschränkt er sich in der Beschreibung der Auswirkungen auf den Wohlfahrtsstaat, das Rentensystem. Dabei ist doch der Geburtenmangel auch ohne Rentensystem geradezu existenzgefährdend! Ich plädiere daher seit langem für eine einschneidende Korrektur der Verschreibungspraxis von Kontrazeptiva: Die Ausgabe empfängnisverhütender Mittel für Frauen muss an die Bedingung von mindestens zwei vorhandenen Kindern geknüpft werden. (Auf die Ausgabe von Kondomen kann ja angesichts von Aids zurzeit nicht verzichtet werden.)

DR. HARTWIG HARDERS, GEESTHACHT

Helmut Schmidt hat wieder mal Recht. Das Nein der Franzosen und Niederländer ist ein Knochenbruch, aber keine Querschnittslähmung. Es ist eine große Leistung, dass wir Europäer so frei und in Wohlstand leben können wie noch nie. Er hat auch damit Recht, dass sich die europäischen Volkswirtschaften nicht vom Wettbewerb abschotten können. Aber haben wir Deutsche wirklich keine strategischen Aufgaben in den anderen Erdteilen? Wir brauchen doch Mut im Zeitalter der Globalisierung. Gut, dass die ZEIT Europa mit einer ausgewogenen Analyse und Gastbeiträgen des Altkanzlers, Slavoj Zizek und Jeremy Rifkin in Schutz genommen hat.