Als ich gestern verdreckt und verbittert aus der Hecke kroch, erschöpft vom allwöchentlichen Kampf in besonders hartnäckigen Widerstandsnestern und enttäuscht von der Kriegsbeute (ein paar Hände voll ekelhaft nackter Gierschwurzeln), brauchte ich eine Stärkung. Ich schenkte mir einen Sherry ein und griff zur ZEIT. Schnell erblickte mein geschultes Auge den Feind, den ich soeben wieder bis zum Break-even-Point der Wirbelsäule verfolgt hatte: im Himbeerbeet, besonders verhasst wegen der großen Ähnlichkeit zwischen jungen Giersch- und jungen Himbeertrieben, und in den Schwertlilien, deren Rhizome dem Feind idealen Unterschlupf und Schutz gewähren.

Die Lektüre Ihres Artikels ließ mich schnell alle Feindschaft vergessen, etwas wie Feindesliebe kroch mir durch's Gemüt. Welch schöne Idee, den Giersch als Altlast der römischen Kriegszüge zu sehen. Der Giersch - ein Schulbeispiel für die Nachhaltigkeit in der Weltpolitik. Sie stehen mit Ihrer Sicht der Dinge übrigens nicht allein: Meine Großmutter nannte ihn Franzosenkraut, und eine schwedische Freundin, der ich dies erzählte, lachte und sagte: Bei uns heißt er Deutschenkraut. Eine Geschichtslektion in Giersch kann nicht schaden.

Wenn die Herren Chefredakteure auch nur eine blasse Ahnung haben, wovon in Ihrem Beitrag so brillant die Rede ist, sie würden Ihnen umgehend einen Preis verleihen für kenntnisreichen und amüsanten Fachjournalismus.

GUSTI FRANZ, STADTHAGEN