Europa am Ende! Schumi in der Reifenkrise! Das bange Warten auf die Vertrauensfrage! Da kommt die erlösende Botschaft: Wir haben gegen Argentinien richtig gut gespielt, 2:2, und das gegen einen Großen, wie Bundestrainer Klinsmann nicht müde wurde zu betonen. Klinsis Kinderriegel (Bild) hat hinten halbwegs dichtgemacht. Und vorne haben die Ballermänner das Übrige besorgt. Im Halbfinale ist uns jetzt jeder Große recht, wir sind wieder wer. Das trifft sich gut, denn Achtung: Die Großinterpretation geht um.

Seit die WM 2006 in Sicht ist, spricht Fußball über den Zustand der Nation.

Als würde am großen Remix von 1954 gearbeitet werden, soll Deutschland im nächsten Sommer dank toller Fußballsiege das Jammertal verlassen. Doch bis dahin wird jeder Fehlpass wie eine missglückte Gesetzesvorlage gedeutet. Wer glaubt noch, dass Oliver Kahn einfach so vorbeigreift, wenn bei ihm in Wirklichkeit die tiefe Verunsicherung des deutschen Mittelstandes zum Ausdruck kommt, der seine Stammplatzgarantie auf der Sonnenseite des Lebens verloren hat?

Im letzten Sommer schien es unvorstellbar, dass die Nationalmannschaft ohne Klassestürmer wieder Tore schießen würde, drückte sich im Angriff doch ein Land aus, das keine Märkte mehr erobert. Dann kam Klinsmann und machte alles anders. Wo kam er gleich her, wo zieht es ihn immer wieder hin? Waren es also die USA, die uns wieder zur Geltung verholfen haben? Ein Elfmeter für die Großinterpretatoren.