Pessimisten lieben den Nahen Osten. Sollte irgendetwas wider ihre Prognosen mal ganz gut laufen, dann ist noch jeder Tag mit so viel Tonnen Sprengstoff, wüsten Drohungen und Dschihad-Videos gefüllt, dass es reicht für den raunenden Befund: Kann nur schief gehen.

Drei Beispiele vom Anfang dieser Woche. In Israel trifft Premier Ariel Scharon den Palästinenserpräsidenten Machmud Abbas. Aber in allen umhaderten Fragen (neue jüdische Siedlungen im Westjordanland, Freilassung palästinensischer Gefangener, Ende der Terroranschläge) kommen sie nicht recht voran. In Ägypten kritisiert Condoleezza Rice als erste US-Außenministerin offen ihr eigenes Land: Amerika habe im Nahen Osten 60 Jahre lang Stabilität auf Kosten der Demokratie gefördert. Falsch sei das gewesen und solle sich ändern. Gut gemeint, aber jeder ägyptische Oppositionelle, den Condi preist, wird anschließend als US-Agent denunziert. Im Libanon gewinnt nach vier Wahlgängen das antisyrische Bündnis aus der Zedernrevolution die absolute Mehrheit im Parlament. Doch am Tag nach der Wahl wird der syrienkritische Politiker George Hawi von einer Bombe zerrissen.

Ein einziges Schlimmassel also? Nein. Scharon und Abbas sind zum Kompromiss gezwungen. Die US-Administration scheint es ernst zu meinen mit dem Druck auf Despoten. Und im Libanon hat die Exopposition nun die Mehrheit, um Syriens Alteisen im Land allmählich zu entsorgen. Hier handeln die Optimisten. In der Defensive sind Schlapphüte, Denunzianten, Bombenleger. Und mit ihnen die Pessimisten.