Das Istanbuler Gericht schlug hart zu. Lebenslänglich soll Metin Kaplan, der einstige Möchtegernkalif von Köln, hinter Gitter. Hochverrat und Terrorismus warfen die Richter dem Führer des "Kalifatstaats" vor, der schon in Deutschland wegen eines Verbrechens im Gefängnis saß. Nicht nur habe er die Türkei in einen Gottesstaat verwandeln wollen, sondern auch geplant, 1998 ein Kleinflugzeug voller Sprengstoff ins Atatürk-Mausoleum in Ankara stürzen zu lassen. Dafür setzte es die Höchststrafe. Ist die zähe Tournee des Predigers durch die Instanzen damit beendet? Leider nein. Denn die Keule, mit der die Justiz zuschlug, war für europäische Standards etwas zu grob geschnitzt. Am Ende könnte sich die Türkei damit selbst beschädigt haben.

Ganze vier Verhandlungstage brauchte das Gericht, um den Staatsfeind abzuurteilen. Und ausgerechnet der Hauptvorwurf gegen Kaplan, der des Terrorismus, stützte sich auf Aussagen mutmaßlicher Mitplaner des Flugzeugattentates. Diese indes behaupten, die Polizei habe ihre Geständnisse durch Folter erpresst – was in der Türkei schon wegen geringfügigerer Delikte vorgekommen ist. Noch einmal auftreten durften diese Zeugen im Prozess nicht.

Das Bundesverwaltungsgericht hat Ende 2004 in seinem Abschiebeurteil erklärt, welche Instanz Kaplan noch offen stehe, sollten Zweifel an einem fairen Prozess entstehen: der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte. Dort nun könnte sich das Urteil gegen Kaplan dereinst in ein Urteil über die türkische Europareife verwandeln.