Kleine Gesundheitsreform in Berlin-Prenzlauer Berg: Die Apotheke ruft eine Happy Hour aus, immer mittwochs von 15 bis 19 Uhr, 10 % auf alle rezeptfreien Medikamente, so steht es mit gelben Klebebuchstaben an der Scheibe. Drinnen steht die Apothekerin, seit zehn Jahren arbeitet sie hier, und sie beklagt sich. Sie sagt, es sei nur noch Kommerz, Arzneimittel zu verkaufen sei nur noch ein Geschäft wie jedes andere. Die wenigen Kunden, die an diesem Mittwoch kommen, kommen offenbar nicht wegen des Rabatts. Sie müssen aufgeklärt werden: Heute, mittwochs, zehn Prozent weniger, das Wort Happy Hour benutzt die Apothekerin nicht. Die Kunden, die wegen des Rabattes kämen, erzählt sie, seien älter, sie brauchten etwa teure Ginkgo-Tabletten, die würden seit Januar nicht mehr verschrieben, das lohne sich. Und dann erzählt die Apothekerin, es stimme schon, das sei kein glücklicher Name, man habe unter Kollegen auch diskutiert. Und die älteren Kunden verstünden den Namen kaum. Es geht eben nur noch ums Auffallen, sagt die Frau, deren Blick so oft den Boden sucht.