Sie haben neben den genannten Gemeinsamkeiten mit Angela Merkel noch eine weitere: die Gnade der späteren Geburt.

In den fünfziger Jahren war ich als Pfarrerstochter und Mitglied der Jungen Gemeinde Repressionen ausgesetzt, weil ich die Mitgliedschaft bei den Jungen Pionieren und der FDJ verweigert hatte. Ich durfte zum Beispiel die weiterführende Schule nicht besuchen, von einem Abitur, wie Sie es beschreiben, konnte ich nur träumen. Damals hätte mir der unschuldige Nicht-Mitläufer-Blick nichts genutzt.

Wenn ich die eigenen Erlebnisse mit Ihrem Artikel vergleiche, dann stellt sich mir eine Frage: Hat der SED-Staat die kritischen Menschen weichgespült?

Ist Frau Merkel durch diesen Unschuldsblick mit Honeckers Macht wirklich fertig geworden, oder hat sie damals das Aussitzen gelernt, das sie heute in der Tagespolitik praktiziert?

Ich werde Frau Merkel auch nicht wählen. Und freuen werde ich mich nicht, wenn sie Bundeskanzlerin wird.

BARBARA SCHWITTMANN GEVELSBERG