Der Autor spricht mir aus der Seele. Ich studiere Biologie und werde oft gefragt: Und was willst du damit mal machen? Warum studierst du nichts Vernünftiges? Ich habe mich für ein Fach entschieden, dessen Forschungsergebnisse in den meisten Fällen keinen sofortigen Nutzen für die Allgemeinheit bringen (und mir kein Geld). So ist der Sinn dieser Forschung für meine Mitmenschen zumindest fragwürdig. Wozu müssen wir wissen, wie ein bestimmtes Protein gefaltet ist? Warum Millionen in die Entschlüsselung von Genomen stecken? Wie soll man das jemandem erklären, der sich schon über den Namen eines Forschungsobjektes lustig macht!

Das zeigt mir aber auch, wie unendlich fern ein für mich normaler Wissenschaftleralltag den Menschen sein muss. Wenigstens habe ich nach dem Lesen dieses Artikels nicht mehr den Drang, mich dafür entschuldigen zu müssen, einfach nur wissen zu wollen.

ANDREA GRUND, BERLIN

Bravo! Ja: Die Geistes- und Kultur-, Geschichts- und Literaturwissenschaften haben ihren Sinn - indem sie beitragen zu einem besseren Verständnis des Menschen, zu einem Begriff der Lebensqualität jenseits des reinen Konsums, zur menschlichen Dialogfähigkeit, zu einer friedlicheren Welt ... und zu der Erkenntnis, dass Leistung und Macht nicht alles sind, wofür wir leben, und uns manches Buch glücklicher machen kann als die neueste Handy-Technologie.

MANUEL MÜLLER, GRANADA, SPANIEN

Ich frage mich, ob der Autor nicht die Situation von Studenten und Absolventen der Geisteswissenschaften völlig verkennt.

Denn wie ist es zu erklären, dass etwa in der Germanistik und der Philosophie die Freude am Bildungswissen bei den Studenten so schnell verfliegt, dass 80 Prozent ihr Studium nie beenden? Und wie soll man Doktoranden, die sechs Jahre lang an Dissertationen wie etwa Die Zeitstruktur in Sebastian Brants Narrenschiff schreiben, erklären, dass sie mit Anfang oder Mitte 30 für eine Berufswelt außerhalb der akademischen Laufbahn völlig uninteressant sind und sie sich auf Hartz IV vorbereiten sollten?