Khouzi Mohammad ist 17 Jahre alt, sie floh mit ihren Eltern und ihren sieben Geschwistern vor zehn Jahren aus dem Irak. Heute geht sie in die 9. Klasse der Internationalen Gesamtschule Heidelberg und ist seit vergangenem Jahr Stipendiatin des Programms "Talent im Land" der Robert Bosch Stiftung

Wie schnell hast du dich nach der Flucht aus dem Irak an die Schule in Deutschland gewöhnt?

Am Anfang war es natürlich schwer, weil ich gar kein Deutsch konnte und ja auch nur die Wörter gelernt habe, die in der Schule benutzt wurden, weil wir zu Hause kein Deutsch gesprochen haben. Irgendwann habe ich dann gemerkt, dass es so was wie Bibliotheken in Deutschland gibt, und habe mir nach der Schule dann immer Bücher ausgeliehen und den ganzen Nachmittag gelesen. Mein Wortschatz ist dadurch sehr viel größer geworden, auch wenn ich gar nicht mehr weiß, ob ich wirklich alles kapiert habe, was ich damals so gelesen habe. Jedenfalls bin ich seit der Zeit eine richtige Leseratte.

Du hast im Irak noch die erste Klasse besucht. Was waren die größten Unterschiede zur Schule in Deutschland?

Alles war sehr viel strenger als hier. Wir mussten Uniformen tragen, in denen wir auch Sportunterricht hatten. Mädchen und Jungs durften nicht nebeneinander sitzen, und wer nicht zugehört hat, dem hat der Lehrer mit einem Stock den Hintern versohlt. Außerdem gab es keine Heizung, und im Winter war es ziemlich kalt. In Deutschland haben die Schüler keinen Respekt vor den Lehrern, reinzuquatschen hätte sich im Irak niemand getraut. Mittlerweile mache ich es selbst auch. Das ist hier ja fast selbstverständlich.

Seit letztem Jahr bist du im Förderprogramm "Talent im Land" der Robert Bosch Stiftung. Wie bist du da reingekommen?

Eine Frau aus der Jugendgruppe meines Bruders hat mir die Unterlagen mitgebracht, weil sie fand, dass das Programm gut zu mir passt. Ich habe eigentlich gedacht, das sei verschwendete Zeit, und mir wenig Chancen ausgemalt. Erst musste ich eine Menge Papiere einschicken, dann gab es noch ein Vorstellungsgespräch, und ich war dann zum Glück unter den 50 Bewerbern, die ausgesucht wurden.