Liebschaften unter Angestellten sieht die amerikanische Supermarktkette Wal-Mart nicht gern. In einem Leitfaden zur "Unternehmensethik" hatte der Konzern weltweit seinen Mitarbeitern persönliche Beziehungen untereinander verboten – neben allem, was als sexuelle Belästigung ausgelegt werden könnte ("lüsterne oder anzügliche Blicke oder als sexuell deutbare Kommunikation jeder Art"). Der deutsche Gesamtbetriebsrat zog wegen des "Flirtverbots" und anderer Vorschriften vor das Arbeitsgericht Wuppertal und gewann den Prozess in der vergangenen Woche: Zumindest hierzulande muss Wal-Mart seinen Kodex nun überarbeiten.

Mit dem "Flirtverbot" wollte die Supermarktkette vermeiden, dass persönliche Abhängigkeiten zwischen Vorgesetzten und Untergebenen entstehen. In den Vereinigten Staaten sind derartige Unternehmensgrundsätze verbreitet. Der Handelskonzern hat lediglich versucht, sie weltweit zu etablieren – allerdings ohne Rücksicht auf Arbeitskultur und Arbeitsrecht in anderen Ländern zu nehmen. So heißt es im Kodex beispielsweise auch, "dass Wal-Mart einem Mitarbeiter mit Grund oder ohne Grund jederzeit kündigen kann".

Zu vermeiden habe die Belegschaft zudem "Witze oder Kommentare". Wer einen Kollegen bei unethischem Verhalten beobachte, solle dies "auf einer vertraulichen und anonymen Basis" dem Ethik-Büro von Wal-Mart melden.

Die deutliche Kritik dürfte den international tätigen Konzern dennoch nicht überrascht haben. "Sofern eine Anforderung dieser Unternehmensethik mit den Gesetzen eines Landes im Konflikt steht oder sie verletzt, ist diese Anforderung in diesem Land nicht anzuwenden", heißt es in der Einleitung des Kodex. Nichts anderes hat das Wuppertaler Arbeitsgericht jetzt noch mal bestätigt. roh