In Deutschland ist die Kinderarmut seit Anfang der neunziger Jahre deutlich gestiegen. Das ist das Ergebnis einer Studie des Unicef-Mitarbeiters Miles Corak sowie der Ökonomen Michael Fertig und Marcus Tamm vom Rheinisch-Westfälischen Institut für Wirtschaftsforschung (RWI) in Essen.

Lebten 1991 noch weniger als acht Prozent der Kinder unterhalb der Armutsgrenze, so sind es heute deutlich über zehn Prozent.

Die Forscher beobachteten dabei nicht nur eine Zunahme der relativen, sondern auch der absoluten Armut. Das heißt, dass nicht nur die Ungleichheit zwischen Kindern aus so genannten guten und schlechten Verhältnissen deutlich gestiegen ist. Kinder aus unteren Einkommensschichten müssen heute auch mit weniger Geld auskommen als ihre Altersgenossen zu Anfang der neunziger Jahre.

Besonders betroffen von Armut sind nach dem Ergebnis der Studie Kinder von Alleinerziehenden und Ausländern. Während vier von zehn Kindern alleinerziehender Elternteile in Armut leben, sind es in Familien mit zwei Erwachsenen nur vier von hundert. Und während Kinder mit deutscher Staatsbürgerschaft nur in acht von hundert Fällen unterhalb der Armutsschwelle leben, sind es bei ausländischen Kindern fast doppelt so viele. Das gilt insbesondere, wenn die Familien erst in den vergangenen Jahren nach Deutschland eingereist waren.