Davon hat Joschka Fischer einst geträumt, und seinem Kanzler ist das Szenario vielleicht im Albtraum erschienen: Der halbe Weg zu fünf Mark pro Liter ist geschafft, Superbenzin kostet schon 1,25 Euro. Bloß hat die Rentenkasse weit weniger davon abbekommen, als es die Ökosteuer-Strategen einst planten. Warum? Weil sie seit 1998 nur insgesamt rund 17 Cent auf den Liter aufschlugen, der damals umgerechnet weniger als 80 Cent kostete. Dazu kam zwar die höhere Mehrwertsteuer, aber der größte Teil des Anstiegs ist dem immer teurer werdenden Rohöl geschuldet. Weil China und seine Nachbarn mehr und mehr davon beanspruchen und die Amerikaner ihrem Ruf als Schluckspechte alle Ehre machen, strebt der Ölpreis von einer Rekordmarke zur nächsten.

Jetzt wird laut geklagt. Hatte Gerhard Schröder, der Autokanzler, nicht freie Fahrt versprochen, als er die Ökosteuer deckelte und keine weiteren Erhöhungen zuließ?

Tatsächlich haben sich die Autobauer und ihre Kunden nicht groß um die umlaufenden Warnungen geschert. Zwar hat die Autoindustrie den durchschnittlichen Verbrauch ihrer Fahrzeuge in Deutschland immerfort gesenkt – aber seit 1990 nur um gut einen Liter auf 100 Kilometer. Gerade die deutschen Hersteller haben immer effizientere Motoren gebaut und wahre Diesel-Wunderaggregate entwickelt. Doch während sie den Trend zum Hybridantrieb verpassten, wurden ihre Autos schwerer und stärker.

Jede neue Modellgeneration muss opulenter sein als die alte, SUV genannte Kleinlaster sind in Mode, derweil die deutschen Autofahrer das ursprüngliche Mobilitätskonzept des Smart ebenso durchfallen ließen wie die Drei-Liter-Autos von VW und Audi. Stattdessen feiern Konzerne, Autozeitungen und Kunden Mini-Innovationen, die hier einen halben Liter und dort drei Zehntel im Elastizitätswert bringen.

Gut, dass die EU nun die Autosteuer generell ans Abgas koppeln will. Schön, wenn die Hersteller besser über die Verbrauchskosten informieren. Aber die Käufer und Fahrer müssen sich auf das hohe Preisniveau auch einstellen und endlich das tun, was sie im Supermarkt tagein, tagaus machen: rechnen. Alternativ können sie und ihre Verbände einfach aufhören zu klagen.