Unter den in Norwegen Arbeitenden befinden sich sehr viele Ärzte, Krankenpfleger, Akademiker, Wissenschaftler und Künstler, denen man in Deutschland vermittelt hat, dass sie nichts zu erwarten haben: Mit Sack und Pack wird also umgezogen. Wenn man dann Jahre später, etwa während eines Sabbatjahrs, für sein Kind einen Schulplatz in Deutschland sucht, wird einem deutlich, wie überflüssig und unerwünscht sogar die Kinder in Deutschland sind: Für Quereinsteiger (!) in die 2. oder 3. Klasse (!) haben wir gar keinen Platz. Einklagen können Sie sich auch nicht. Mit dem Argument überfüllter Klassen werden also bereits die Grundschüler in Deutschland als überzählige Landplage wahrgenommen.

In Norwegen hingegen gibt es sogar Muttersprachenunterricht für die ausländischen Kinder. So können sie dort von der 1. Klasse an in drei Sprachen gefördert werden. Diese Kinder werden bestimmt nicht mehr nach Deutschland zurückkehren, obwohl sie fließend Deutsch sprechen. Kann sich Deutschland das in der Langzeitperspektive erlauben? Mein Vater bemerkte bei unserer Abreise: Dein Vaterland hat dir leider nichts mehr zu bieten. Das ist wohl wahr.

Schön, dass es jetzt Kursbeihilfe zum Auswandern gibt. Vielleicht wird ja irgendwann eine Kurswelle zur Wiederrückkehr lanciert. Die dürfte wohl so um das Jahr 2020 zu erwarten sein, wenn man plötzlich wieder Sehnsucht nach uns, jedenfalls nach unseren gut ausgebildeten Kindern verspürt ...

Norwegisch zu sprechen ist übrigens kein unbedingtes Kriterium: Es wird einem eine Eingewöhnungszeit zugebilligt. Auch hier zeigt sich also Norwegen flexibler als Deutschland. Man wird geschätzt und gebraucht: als Gastarbeiter, Kollege und als Mensch.

KONRAD MEIER, PER E-MAIL