Mit Otto Muehl assoziiert man dreierlei: Kunst, Kommune und Kindesmissbrauch. In den sechziger Jahren wütete er als Wiener Aktionist mit Blut und Kot gegen das Tafelbild.In den Siebzigern erklärte er sein Leben zur Kunst und schuf als Chef der Aktions-Analytischen Organisation einen Lebenskult der freien Liebe.Der endete in den Achtzigern in Tyrannei und Muehl 1991 im Gefängnis - verurteilt wegen Vergewaltigung einer Dreizehnjährigen.Am vergangenen Donnerstag feierte Muehl in Hamburg 80.Geburtstag - und seine Wiederauferstehung als Künstler.Jenseits von Zucht und Ordn ung heißt seine bisher größte Retrospektive, Besichtigung nur nach Anmeldung, viele der Exponate sind nicht jugendfrei.Harald Falckenberg, der Initiator der Ausstellung, will endlich die bedeutsame Rolle Muehls für die Kunst des 20. Jahrhunderts zementieren. Ohne ihn wären Joseph Beuys, Jackson Pollock oder Martin Kippenberger nicht möglich gewesen, sagt der Sammler. Es geht hier um die Kunst und sonst nichts. Dass es nicht leicht ist, den Künstler aus dem Felsblock des Gurus und Pädophilen herauszumeißeln, zeigte die Vernissage.Sie wurde zu einem Spektakel, in dem alles im Mittelpunkt stand, nur nicht die Kunst. Falckenberg machte die Muehl-Kritiker lächerlich und dankte ihnen für die Gratiswerbung.Peter Noever, Leiter des Wiener MAK und Veranstalter einer großen Muehl-Retrospektive im vergangenen Jahr, nannte Muehl einen Revolutionär.Und die Kommunenfamilie feierte Ottos Geburtstag.Knapp dreißig von ehemals 700 leben noch mit ihm zusammen - viele von ihnen waren da, auch die Kinder.Sie traten mit ihrer Jazzband auf, und die Erwachsenen tanzten dazu.Bei so viel Kommune fiel es schwer, gerade diese wegzu blenden. Man muss sich endlich von der Idee lösen, dass sie eine Weiterführung seiner Kunst ist, sagte Falckenberg.Doch widerspricht er hier nicht nur Muehl und den Kommunarden, sondern auch der Homepage der Ausstellung, auf der die Kommune als der Versuch beschrieben wird, die Kunst ins Leben zu überführen. Die Veranstalter hätten sich der zwiespältigen Rolle Muehls stellen sollen, um dem Ruch der Kritiklosigkeit zu entgehen.Das Ausklammern lässt die Lücke noch viel heller leuchten.Otto Muehl schien von all dem unberührt.Er fühle sich besser als Jesus, sagte er.Nach Mitternacht saß er im Rollstuhl und gab Autogramme.Seine Muse fütterte ihn währenddessen mit Cervelatwurst und Tzatziki.