Der Finanzdienstleister MLP hat jahrelang eifrig an dem Image gefeilt, seinen Kunden Beratung der Extraklasse zu bieten. Nicht schnöde Provisionsinteressen, sondern ausgeklügelte, für die rein akademische Klientel maßgeschneiderte Anlage- und Investmentstrategien seien, so die Werbebotschaft der Heidelberger, die Leitlinie ihrer Beratergilde. Dieses schöne Image, das auch von vielen Medien transportiert wird, hat jetzt allerdings ein paar empfindliche Kratzer bekommen.

Wegen fehlerhafter Anlageberatung hat MLP einem Arzt, der die Firma verklagt hatte, immerhin 767 000 Euro Schadensersatz gezahlt - freiwillig und ohne das Urteil des Gerichts überhaupt abzuwarten. Der Mediziner hatte ursprünglich mit Zahlungen aus Lebensversicherungen fällige Darlehnsschulden tilgen wollen. Sein MLP-Berater animierte ihn jedoch, ein neues Darlehn aufzunehmen und das Geld aus den Lebensversicherungen in Fonds zu investieren, die von der MLP-Vermögensverwaltung angeboten wurden. Doch statt der versprochenen Rendite von sieben Prozent erwirtschafteten diese Fonds Verluste.

In einem anderen, ebenfalls von der auf Anlegerschutz spezialisierten Münchner Anwaltskanzlei Rotter vertretenen Fall riet der MLP-Berater einer Kundin sogar, ihr Haus zu verkaufen und den Großteil des Verkaufserlöses in diesen Fonds anzulegen. Über die immensen Verlustrisiken wurde sie jedoch nicht aufgeklärt, moniert die Kanzlei. An diese Kundin hat MLP im Rahmen eines Vergleichs inzwischen 173 000 Euro überwiesen. Offenbar sind dies jedoch nicht die einzigen unzufriedenen Kunden. Kaum waren die beiden Fälle bekannt, hätten sich bereits einige Interessenten gemeldet, berichtet die Kanzlei.