Wie ein Torjäger, der in jedem Fußballspiel ein- oder gar zweimal trifft, haben André und David-Ivar Herman Düne gerade einen extrem erfolgreichen Lauf. Sie erschaffen einen wunderschönen Song nach dem anderen, und dank ihrer Vierteljahresplatten kann man den Brüdern aus Schweden dabei zuhören: Weniger als drei Monate nach Erscheinen des von der internationalen Musikpresse bejubelten Albums Not On Top nimmt nun das Kurzalbum Jackson Heights den Schwung des Gelingens auf. Das Cover ziert ein mit wenigen Strichen gezeichneter Hase. Dieser beiläufige Gestus des mal eben so korrespondiert mit der Musik: Minimalistisch produziert und überwiegend adagio, kann man die Songs wie in Zeitlupe im Entstehen beobachten - sechs Skizzen, sechs kleine Folk-Kunstwerke.

Herman Düne geben den Blick frei auf die Bedingungen ihrer musikalischen Existenz. Man hört, wie die Lieder aus dem Alltag aufsteigen, und die Texte wirken, als kommunizierten die Brüder untereinander so - als sei ihr Leben ein Chanson und die Akustikgitarren kämen zaubergleich aus dem Off. Mit ihren Songs versuchen sie, tief in die Lebenswirklichkeit des Hörers einzudringen.

Deshalb ist das Kurzalbum konsequenterweise wieder in Mono aufgenommen, denn Stereo, das ist für Herman Düne einfach zu elitär und renaissancehaft: Wenn du in der Küche bist und kochst und deine Anlage steht im Zimmer nebenan, wie groß ist dann die Chance, genau zwischen den Boxen zu stehen?

Benannt nach dem idyllischen New Yorker Stadtteil, wo die Songs zum Teil entstanden sind, bietet Jackson Heights Musik vom Rande des Mittelpunktes der Welt. Das ist die skandinavisch gelassene Perspektive: Herman Düne haben alles im Blick, sind aber gefestigt in den Koordinaten ihrer eigenen Welt.

Sie sehen sich nicht gezwungen, etwas Modisches zu tun, um akzeptiert zu werden, denn wenn nichts draus wird, gehen sie einfach in ihren ruhigen Norden zurück. Doch so lange singen André und David-Ivar einfache und wahre Songs über das, was sie in der Neuen Welt erleben. Auf der Leeseite der musikindustriellen Hysterie um Bands wie Oasis oder Coldplay haben sich hier noch relativ unbekannte Großmeister durchaus massenkompatiblen Pops entwickelt. Hier wie im Fußball gilt: Es gibt keine Popzwerge mehr.

Herman Düne: Jackson Heights

(Track & Field, Lane 22)