Wieder erwies sich die 36. Art Basel als internationalstes und teuerstes Forum der schönen Künste und eitlen Selbstdarstellung. Was für Preise, stöhnte Gijs van Tuyl, der Direktor des Stedelijk Museums in Amsterdam, und begab sich auf die Suche nach den erschwinglichen Lücken ins Messegetümmel.

Auch ihm waren weder Zeit noch Muße für Entscheidungen bei den 270 teilnehmenden Galerien vergönnt. Die Biennale in Venedig und die Paul-McCarthy-Retrospektive im Münchner Haus der Kunst heizten den Kaufrausch beträchtlich an. 30 Objekte im Wert von zweitausend bis eine Million Schweizer Franken setzte die Galerie Juda aus London um. Die Ankaufsucht beschränkt sich jedoch nicht nur auf die ganz teuren Objekte, berichtet David Juda.

Tempo war angesagt. Der Berliner Galerist Rudolf Kicken verkaufte eine Fotoarbeit von Bernd und Hilla Becher binnen kürzester Zeit. Das Ensemble von vier Wassertürmen war nach zwei Tagen weg.

Geradezu erstaunt kommentiert Aurel Scheibler (Köln) das enorme Kauftempo: Schwer zu erklären, wo das plötzlich herkommt. Rosemarie Schwarzwälder (Wien), die ein monumentales Gemälde von Helmut Federle anbot und ein Bild von Svend Hammershóij an die Hamburger Kunsthalle verkaufte, meint: Das hier ist das Sozialisationsfeld einer exklusiven Gesellschaft mit viel Geld und dem Wunsch nach Lebensqualität. Das nutzen offensichtlich immer mehr Privilegierte aus der ganzen Welt.

Dem Messechef Samuel Keller wurden jeden Tag mehr als 20, vor allem junge Sammler vorgestellt. Den geradezu trunkenen Griff nach den Artefakten der Kunstobjekte wertet die Dresdner Galeristin Margareta Friesen als Suche nach festen, greifbaren Werten in einer Welt der flüchtigen Bilder, Bindungen, Haltungen.

Der 1917 geborene Künstler und Sammler Gottfried Honegger geißelte dagegen in einer Podiumsdiskussion die Messe als Disneyland und zynische Veranstaltung, wo alle nur noch konsumieren und nicht mehr hinschauen. Solche Überlegungen sind rar im Getriebe zwischen schnellen Dollars und aufwändigen Partys - ob an Bord bei Francesca von Habsburg mit karibischen Drinks oder den stets ausgebuchten Gelagen im Restaurant der Kunsthalle Basel.

Wer in Basel einkauft, gehört zur Weltspitze oder darf sich zumindest so fühlen. Der französische Milliardär François Pinault, Besitzer des Auktionshauses Christie's und neuerdings auch des Palazzo Grassi in Venedig, gönnte sich bei der Galerie Nelson (Paris) eine jüngst entstandene imposante dreiteilige Figurengruppe von Thomas Schütte für eine halbe Million Schweizer Franken. Was der Investor und frühere Konkurrent als Teilhaber des Auktionshauses Phillips, Bernard Arnault, und die allgegenwärtigen Sammler Don und Mera Rubell aus Florida erworben haben, blieb indes diskret im Dunklen.