Die Geschichte der Psychiatrie in Afrika sowie Fragen nach Konzeptionen von "Wahnsinn" und "Geisteskrankheit" und dem Umgang mit psychisch Kranken in afrikanischen Gesellschaften bewegen erst seit kurzem die einschlägigen Wissenschaften. Vieles von den gegenwärtigen Diskussionen hat Hubert Fichte bereits vorweggenommen. Dies zeigt ein aufwändig gestalteter, mit grandiosen Fotografien von Leonore Mau ausgestatteter Band, der anlässlich des 70. Geburtstags des 1986 verstorbenen Schriftstellers erschienen ist. Fichte und Mau reisten in den siebziger und achtziger Jahren mehrfach nach Westafrika, besuchten Kliniken, psychiatrische Dörfer und pharmakologische Institute in Senegal und Togo und führten unter anderem lange – im Band wiedergegebene – Gespräche mit einheimischen Ärzten. Zusammen mit den Reiseaufzeichnungen entsteht so ein faszinierendes Bild der Psychiatrie in Afrika, die geprägt ist von der Verbindung lokaler Heilkunde mit neueren westeuropäischen Ansätzen. Nicht zuletzt betont Fichte die politischen, wirtschaftlichen und sozialen Bedingungen von "Geisteskrankheit" in Afrika und verweist etwa auf die Interessen von Pharmakonzernen. Besonders exotisch erscheint afrikanische Psychiatrie in diesem Buch jedenfalls nicht. Andreas Eckert