Ute Kröger: Zürich, du mein

blaues Wunder

Literarische Streifzüge durch eine europäische Kulturstadt - Limmat Verlag, Zürich 2005 - 485 S., Abb., 32,- e

Nein, das meinen wir nicht, dass Zürich eine tiefere Stadt ist. Aber eine erstaunlich literarische, das schon. Und wer es noch nicht weiß, den lehrt es dieser grandiose Band. Er erzählt von denen, die hier als Autoren, Verleger, Buchhändler Literatur gemacht haben. Darunter waren viele, die aus der Fremde kamen, die hier Asyl erhielten oder nur Herberge für eine kurze Weile, denn der Schweizer Gastfreundschaft zu eigen ist ja manchmal ein Stich ins Flüchtige oder Nervöse. Alle, fast alle, die je ein Plätzchen in Zürich fanden, haben auch ihren Platz in diesem Buch gefunden. Wir lesen von Bodmer und Büchner, Döblin und Joyce, von Ricarda Huch und Laure Wyss, von der Buchhandlung Beer unter dem riesigen Ziffernblatt der Kirche St. Peter und von dem Ehepaar Oprecht, den Anti-Nazi-Verlegern in der Rämistrasse. Aber auch von geheimeren Gestalten, von dem Lyriker Alexander Xaver Gwerder oder dem Revolutionär Felice Orsini. Oder Fritz Angst, der sich Fritz Zorn nannte und 1976 ein Buch schrieb, das die Retro-Bürger von heute besser nicht lesen.

Wir blicken in amöne Orte wie Kronenhalle und Café Odeon, in Marthe Kauers Katakombe und, auch dies ein Musenhain, in das Bahnhofbuffet 3. Klasse. Ein Standardwerk! Ach was, ein Buch wie ein riesiges Fass, tief, tief taucht man hinein.