Unter Kanzlern gilt es als langweilig, seine Staatsbesucher bei der Hand zu nehmen und sie mit den Worten durch die Hauptstadt zu führen: "Das da ist mein Kanzleramt, hier sitzt unser Bundespräsident, und dort steht der Bundestag." Stattdessen nehmen Kanzler die Besucher, die sie besonders gern haben, mit zu sich nach Hause, in die Region, aus der sie kommen. Kanzler machen das, um ihrem Besuch und der Welt zu sagen: "Ich habe Wurzeln, ich habe eine Identität! Ich komme aus der Provinz, und mein Weg in die Großstadt war ein mühsamer! Ihr könnt mir vertrauen, denn ich bringe euch mit Menschen zusammen, die mich schon lange kennen und die mir noch immer zuwinken!" Und so wird Angela Merkel, die aus Templin kommt, ihre Besucher durch Brandenburg schleppen, so wie Helmut Kohl seine durch Rheinland-Pfalz und wie Gerhard Schröder sie durch Niedersachsen geschleppt hat. Dabei wird es sich als praktisch erweisen, dass Brandenburg sehr nahe bei Berlin liegt, so wie Kohl nahe Bonn wohnte, und auch Umzugskanzler Schröder wohnt genau zwischen den beiden Städten, von denen aus er regierte. Auf diese Weise werden wir etwa das Kloster Chorin kennen lernen oder Schloss Branitz in Cottbus, und unser Bild von Brandenburg wird sich wandeln. Wir werden es fortan nicht mehr mit Ödnis, Arbeitslosigkeit und Neonazis verbinden, sondern mit Merkels Ausflügen ins Grüne. Und so wird sie, ganz nebenbei, eines der letzten Länder, das noch ein SPD-Mann regiert, übernehmen.

Matthias Stolz